Iris Lins | Grüne Kosmetikpädagogin

Weihnachtliche Gewürze für die Haut

Den Duft von Zimt, Vanille, Nelke, Kardamom oder Anis verbinden wir seit unserer Kindheit mit der Advent- und Weihnachtszeit. Weniger bekannt ist deren Wirkung auf Körper und Haut. Die Grüne Kosmetikpädagogin Iris Lins gibt dazu interessante Tipps und Rezepte.

Weihnachten, keine Zeit des Jahres wird so stark mit Gewürzen in Verbindung gebracht. Viele dieser wunderbaren Gewürze sind nicht aus unserer Region, dennoch sind sie nicht mehr aus unseren Gewürzregalen wegzudenken. Beispielsweise die Muskatnuss: Viele Menschen, mein Vater gehört auch dazu, sind der Meinung, eine Suppe ohne Muskatnuss ist keine gute Suppe. Deshalb kann ich mich mit meinen fast 40 Jahren nicht daran erinnern, dass bei uns zu Hause jemals die Muskatnuss ausging – dafür sorgte er persönlich. Natürlich wird sie nur als ganze Nuss gekauft und mit der kleinen Muskatreibe direkt am Tisch in die Suppe gerieben. So wie es sich eben gehört. Und ich muss sagen, sie hat gewirkt, die Erziehung zur Muskat-Liebhaberin. Allerdings beschränkt sich meine Anwendung nicht nur auf Suppe oder Kartoffelpüree, sondern auch in Tees, heißer Schokolade oder eben auch in der Hautpflege, z. B. im wärmenden Gewürzbalsam, finde ich sie großartig.

Gibt es ein Kraut gegen kalte (Frauen)Füße?
Vor ein paar Jahren haben sich Freundinnen bei mir über kalte Füße beklagt. Und jeder, der sich mit Kräutern befasst kennt die Frage: „Gibt es kein Kraut oder etwas zum Eincremen gegen kalte Füße?“ So begann ich mit weihnachtlichen Gewürzen zu experimentieren. Da ich bereits mit Chili-Honig Versuche gemacht hatte, wusste ich, dass auf jeden Fall anständig scharfe Chilis rein gehören. Wir kennen ja alle die Wirkung von Chili von den „Wärmepflastern“ aus der Werbung. Und natürlich durfte dann auch die Muskatnuss nicht fehlen. Um die kalten Füßen meiner Freundinnen wirklich mit größtmöglicher Wärme zu versorgen, suchte ich nach weiteren wärmenden Gewürzen: Dazu kamen dann noch Zimt, Kardamom, Sternanis, Pfefferkörner und Nelken. Auch ein Stück Vanilleschote durfte nicht fehlen – sie ist fixer Bestandteil meiner weihnachtlichen Gewürzauswahl. Die Auswahl an Gewürzen setzt sich wie immer aus den Inhalten meiner Gewürzschubladen zusammen. Hätte ich beispielsweise keinen Sternanis im Kasten gefunden, wäre er nun nicht im Rezept. Also: Einfach kreativ sein und ausprobieren!

Gewürze und ihre Wirkung

  • Muskatnuss: Ist wärmend und unterstützt das Immunsystem, wird in ferneren Regionen auch bei Rheuma und Muskelschmerzen eingesetzt und beeinflusst die Verdauung positiv.
  • Zimt: Wärmt und hat eine keimbekämpfende (antiseptische) Wirkung. Außerdem ist er verdauungsstärkend und wird im asiatischen Raum traditionell auch als Heilmittel für die Atemwege verwendet.
  • Vanille: Fördert die Lust – sie ist ein Aphrodisiakum. Sie hebt die Stimmung, in dem Endorphine freigesetzt werden. Für viele ist der Duft auch mit Kindheitserinnerungen und Geborgenheit verknüpft.
  • Kardamom: Stärkt das Immunsystem und die Verdauung, ist Kreislauf anregend, wärmend, schlaffördernd und krampflösend. In der ayurvedischen Medizin wird er auch bei Erkältung, Husten und Nebenhöhlenentzündungen eingesetzt.
  • Nelke: Hat eine betäubende Wirkung, z. B. bei Zahnschmerzen, außerdem reduziert sie Keime und unterstützt die Verdauung.
  • Pfefferkörner: Wirken antiseptisch und sind magenstärkend. Außerdem regen sie den Kreislauf an, fördern die Durchblutung (z. B. bei muskulären Schmerzen durch Verspannung) und kurbeln die Produktion von Glückshormonen (Endorphinen) an.
  • Sternanis: Im Gegensatz zu Anis (mit dem er übrigens nicht verwandt ist) hat er eine ganz leichte Schärfe und wirkt anregend. Er unterstützt die Verdauung, ist hilfreich bei Erkältungen und fördert einen guten Schlaf.

Wärmender Gewürzbalsam
200 g Öl
20 g Bienenwachs
1 – 2 Zimtstangen
je 3 – 5 Pfefferkörner, Nelken, Kardamom und Sternanis
2 – 3 kleine Chilischoten
½ Vanilleschote
Verpackung: Gläser mit Schnappverschluss, Weckgläser, Marmeladegläser, Salbentiegel

Die Menge der Gewürze richtet sich auch nach deren Größe oder der Vorliebe der Rührerin/des Rührers: Wenn jemand ein Gewürz nicht mag oder nicht verträgt, kann es einfach weggelassen werden. (Allerdings ist zu beachten, dass eine übermäßige Dosierung bestimmter Gewürze mitunter zu Hautreizungen führen können, weshalb in solchen Fällen oft weniger eben mehr ist.)

Die Gewürze etwas zerkleinern (z. B. im Mörser oder mit einem Schnitzelklopfer auf dem Holzbrett) und dann auf mittlerer Stufe für ca. 30 bis 45 Minuten im Öl ausziehen. Danach das Öl durch ein Baumwolltuch oder ein sehr dichtes Sieb abseihen. Das Öl wieder in den (gereinigten) Topf geben. Als nächstes das Bienenwachs im Gewürz-Öl schmelzen. Wenn die Mischung etwas abgekühlt ist (max. 40 Grad), könnte je nach Wunsch noch ätherisches Öl dazu gegeben werden. Allerdings ist es bei diesem Gewürzbalsam definitiv nicht notwendig, da er bereits ausreichend duftet. Nun kann der Gewürzbalsam noch in die vorbereiteten Döschen abgefüllt werden, anschließend nur mit einem Küchenkrepp über Nacht zudecken und ausdampfen lassen und am nächsten Tag mit dem Deckel verschließen.

Der wärmende Gewürzbalsam als Geschenk
Beim Schenken kommt es auf den Inhalt an – allerdings ist die Verpackung gerade zu Weihnachten auch nicht ganz unwichtig: Statt Plastiktiegel gibt es zauberhafte Varianten aus Glas – sei es ein Glas mit Schnappverschluss oder ein ganz gewöhnliches Marmeladenglas mit einer Schleife mit Zimtstange und Sternanis. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Und wer kennt es nicht: Im Schrank stapeln sich mal wieder die Lebensmittel-Gläser, von denen wir uns oft nicht trennen können – wir könnten sie ja noch gebrauchen. Oder wie es heutzutage auf Englisch so nett heißt „Zero Waste“ (Leben ohne Müll/Müllvermeidung) oder „Re-use“ (Wiederverwenden statt wegwerfen) – so kann jede und jeder einen kleinen ressourcenschonenden Beitrag leisten und Müll vermeiden.

Kokosbusserl gefällig?
Für alle, die zu Weihnachten einfach nicht genug von Kokosbusserln bekommen können, hier ein kleiner Tipp: Öl und Bienenwachs können beim Gewürzcrème-Rezept ganz einfach durch 200 g Kokosfett ersetzt werden. Nach dem Ausziehen der Gewürze in Kokosfett kann der Balsam direkt abgefüllt werden. Ich mache mir bei dieser Variante die Mühe und rühre das Kokosbusserl so lange, bis es eine schön cremige Konsistenz hat. Denn erfahrungsgemäß rutschen ein paar Vanille-Körnchen durch das Sieb – was den Balsam nett aussehen lässt und beim Eincremen absolut unproblematisch ist. Wer das allerdings gar nicht mag, muss beim Abseihen definitiv mit einem Baumwolltuch oder etwas Ähnlichem arbeiten. Das „Kokosbusserl“ kann natürlich auch in der Küche verwendet werden – zwar nicht ganz vom Garten auf die Haut – aber zumindest aus dem Küchenschrank. PS: Nicht wundern über Annäherungsversuche – schmeckt wirklich zum Anbeißen gut!

Für die Kräuter-Liebhaberinnen und -Liebhaber
Als Basisöl kann beispielsweise auch ein angesetztes Ringelblumenöl dienen. Oder wer es lieber frisch mag: Natürlich können dem Ölauszug auch Kräuter hinzugefügt werden. Spontan fällt mir da Thymian ein, oder für die, die bereits morgens kalte Füße haben und leichter in Schwung kommen wollen, ist Rosmarin vielleicht ein Tipp? Der Balsam kann auch auf andere Körperpartien aufgetragen werden – auf den Rücken zum Beispiel. Gerade für Menschen die Stunden vor dem Bildschirm verbringen eine Wohltat, wenn sie eine wärmende Nacken- oder Rückenmassage bekommen. Aber bitte Vorsicht walten lassen: Zwar brennen Kokosbusserl und Gewürzbalsam nicht auf der intakten Haut, aber Augen/Gesicht oder verletzte/kranke Hautpartien auf jeden Fall aussparen. Und nach dem Eincremen auch gut die Hände waschen, damit es nicht zuletzt dann doch noch Tränen gibt!

Veröffentlicht am: 6.12.2018