Obst & Gemüse für die Haut

Nach den vielen Wochen mit strahlendem Sonnenschein und Hitze kann unsere Haut nun ein paar Streicheleinheiten der grünen Art gut gebrauchen. Und wenn wir so in unsere Gärten schauen, dann können wir wirklich aus dem Vollen schöpfen.

Dieses Jahr hatten wir mit den Äpfeln und Kirschen mehr Glück als im Vorjahr. Auch Früchte und Gemüse wie Johannisbeeren, Karotten, Rhabarber und Co zeigten sich von der großzügigen Seite. Die Kräuter sind dank der hohen Temperaturen besonders aromatisch. Deshalb: Was liegt näher, als ein Wohlfühl-Abend mit Freundinnen ganz nach dem Motto „vom Garten auf die Haut“? Beispielsweise eine Apfelmaske, die unsere Haut ein wenig anregt, oder ein pflegendes Karotten-Öl. Einfache Rezepte zum Nachmachen oder als Inspiration für eigene Rezept-Kreationen mit Zutaten aus Garten, Wald und Wiese.

Aus dem Obstgarten: Der Apfel

Wenn ich an Äpfel denke, kommen mir die Sommernachmittage im großelterlichen Garten in den Sinn: Wenn der Opa einen rotbackigen Apfel vom Baum pflückte und sich mit uns in den Schatten setzte, sein altes Taschenmesser zückte und uns „Öpfelschnitzle“ machte. Wir Enkelkinder warteten geduldig, wenn er reihum die Apfelstücke verteilte. Noch heute ist es so, dass wenn wir gefragt werden, ob wir einen Apfel mögen, vielleicht schon mal kurz die Nase rümpfen, weil wir eher Lust auf ein paar Himbeeren oder Marillen hätten. Wenn uns der Apfel dann in nostalgischer Manier in Apfelschnitzen kredenzt wird, greifen wir dann doch zu – halt wie früher.

Der Apfel gehört in unseren Brotkorb wie das Amen im Gebet: Bereits unsere keltischen Vorfahren kultivierten Äpfel – sie waren neben Hagebutten und Vogelbeeren ein unentbehrliches Lebensmittel, um dem sogenannten „Scharbock“, Skorbut durch Vitamin C-Mangel, zu entkommen. Äpfel wuchsen üppig, waren gut lagerfähig und deshalb eine der wenigen Vitaminquellen im Winter. Sie waren Zeichen für Lebenskraft und Liebe, weshalb sie verschiedensten Fruchtbarkeitsgöttinnen und -göttern geweiht wurden. Erst die Christianisierung machte den Apfel zur „verbotenen Frucht“. Aber vielleicht fiel er auch deshalb in Ungnade, weil ihm eine sinnlich-aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird…

Der Apfel hat an die 300 Bio-Substanzen, darunter Gerbstoffe, Pektin, Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor, ätherische Öle und außerdem Vitamin B und C. Unsere Großmütter verwendeten die kleinen grünen Äpfelchen, die im Frühling vom Baum fielen, um Marmelade einzudicken, da diese frühen Früchte viel Pektin enthalten. Heute ist Pektin in Pulverform erhältlich und findet wieder vermehrt Anwendung in der regionalen Küche. Viele wissen um die verdauungsfördernde Wirkung von Äpfeln – auch das ist quasi eine „erwünschte Nebenwirkung“ des Pektins: Da sie sehr ballaststoffreich sind, unterstützen sie die Darmreinigung und beeinflussen unseren Cholesterinspiegel positiv. Die Briten sagen „An apple a day keeps the doctor away“ – also ein Apfel pro Tag hält den Arzt fern.

Was ich an dieser Stelle sicherheitshalber einfach noch einmal erwähnen möchte: Die Schale ist ein wichtiger Bestandteil des Apfels, viele der wertvollen Inhaltsstoffe und vor allem auch Geschmacksträger sind in ihr oder direkt unter ihr versteckt. Also wäre es doch schade drum, sie einfach wegzuschmeißen. Für diejenigen, die sie einfach doch nicht leiden können: Die Schale trocknen und im Winter mit Zimthonig aufgießen, ist sehr gesund und schmeckt wirklich wunderbar!

Der Apfel ist sauer und wirkt dadurch anregend auf unseren Hautstoffwechsel. Er bereitet die Haut vor für die Aufnahme von Feuchtigkeitspräparaten, entfernt tote Hautschüppchen und reinigt.

Apfelbäckchen
Erfrischend-straffende Apfelmaske

1 säuerlicher Apfel | 1 EL Honig
1 EL Mehl (z. B. Roggen) | 1 EL Stärke

Den Apfel mit Schale fein reiben und mit den restlichen Zutaten gut vermengen. Die Mischung gut auf dem Gesicht verteilen, anschließend für 20 Minuten ruhen und einwirken lassen. Danach mit lauwarmem Wasser die  Maske abnehmen und pflegen wie gewohnt. Oder ausnahmsweise mit dem pflegenden Karottenöl?

Anregung: Die Wirkung fast jeder Maske wird noch unterstützt, wenn vorab noch ein Dampfbad oder eine feuchte Kompresse angewendet wird. Beispielsweise Rosenblüten, Thymian oder Mädesüß mit einem Liter kochenden Wasser übergießen, zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen und 15 Minuten den wohltuenden Dampf einatmen.

Aus dem Gemüsegarten: Die Karotte

Wer an Gemüse und selbst hergestellte Hautpflege denkt, denkt unweigerlich an die Gurke. Und weil das eben so ist, holen wir heute einen anderen Garten-Star vor den Vorhang: Die Karotte. Sie ist reich an Vitamin A (in Form von Beta-Carotin), von manchen als DAS Schönheitsvitamin angepriesen. Das Carotinoid „Lycopin“ besitzt eine antioxidative Wirkung – es lässt uns und unsere Zellen quasi langsamer „rosten“. Es ist nicht nur für unsere Augen gesund („Oder hast du schon mal einen Hasen mit einer Brille gesehen?“), sondern auch für unsere Haare und die Haut. Natürlich haben wir auch hier wieder eine Vielzahl an Mineralstoffen, dazu noch B-Vitamine, Folsäure und Pektin. Bei Vitamin A ist zu beachten, dass es zu den fettlöslichen Vitaminen gehört. Das heißt, es wird eine fette Komponente benötigt, damit der Körper es aufnehmen kann (Sonnenblumen-, Olivenöl, Butter …)

Lady Sunshine
Pflegendes Karottenöl

1 große Karotte
200 ml Öl – je nach dem,
was im Küchenschrank verfügbar ist
(Sonnenblume, Olive, Distel,…)
2 EL frische Spitzwegerichblätter und Ringelblumen
1 Glas (200 ml)

Die Karotten erst waschen und gut abtrocknen, dann mit einem Schäler in dünne Scheiben schneiden. Je nach Außentemperatur kann die Karotte auf Backpapier entweder im warmen Schatten vier  bis fünf Stunden trocknen, sonst bei ca. 40 Grad im Backofen zwei bis drei Stunden mit Kochlöffel in der Ofentür trocknen lassen.

Anschließend Karotten mit dem Öl in einen Topf geben, und bei mittlerer Hitze für ca. drei Stunden ziehen lassen. In den letzten 60 Minuten noch die kleingeschnittenen Kräuter dazu geben. Danach alles vom Herd nehmen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag alles durch einen Kaffeefilter/Siebtuch absieben. Nun noch in ein beschriftetes Glas abfüllen und an einem dunklen Ort lagern.

Anwendung: Gerade nach dem sonnigen Sommer ist dieses Öl eine hervorragende Körperpflege: Beispielsweise nach dem Duschen auf die noch feuchte Haut auftragen oder als „After-Sun“-Pflege anwenden. Ich verwende dieses Öl auch zwischendurch im Gesicht: Ein paar Tropfen erst in den angefeuchteten Händen verreiben und dann sanft in das Gesicht einmassieren. Die Apfelmaske ist hier eine optimale „Vorbehandlung“ für das Karottenöl. Die Kräuter unterstützen die hautpflegende Wirkung der Karotte. Und wie immer gilt: Einfach selbst ausprobieren – wem der Spitzwegerich vielleicht nicht so grün ist, der nimmt eben Gänseblümchen oder Thymian oder …

Natürlich ist es bequemer, einfach in ein Geschäft zu gehen, und sich die fertigen Produkte zu kaufen. Manche fürchten sogar, dass es beim neuen Selbermacher- oder Naturkosmetik-Trend dem eigenen Geschäft schaden könnte. Aber mal ganz ehrlich: Wir sind es bereits so gewohnt, viele Dinge fix fertig zu kaufen, dass das Selbermischen sich für viele wohl eher zu einem „ab-und-zu“ entwickelt. Allerdings – wie eine Kräuterfreundin sagen würde – „tut es gut mit der Natur in Verbindung zu stehen“ – zumindest zwischendurch. Es macht Freude, sich wieder auf altes Wissen zu besinnen, unsere Wurzeln ein Stück weit zu entdecken – und vielleicht auch neu zu interpretieren. Und letztlich steht doch immer das wohltuende Erlebnis im Vordergrund: Das Mischen und Rühren entspannt uns nach einem langen Tag, die Düfte und Farben sind ein Regenbogen für unsere Sinne und wir tun uns und unseren Lieben etwas Gutes.

Veröffentlicht am: 8.10.2018