Superfood – Wunder oder exotischer Marketing-Gag?

Was macht ein Lebensmittel zum „Superfood“? Und wie hoch ist der Preis für eine perfekte Nährstoffversorgung?

Ernährung ist gegenwärtig ein hochemotionales Thema. Essen bedeutet heute viel mehr als nur den Hunger zu stillen. Nahrung wird zunehmend zum Instrument der Selbstverwirklichung, Selbsterfahrung und Selbstdarstellung. Lebensmittel sollen nicht nur gut schmecken, sondern auch – durch einen hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Antioxidantien, Aminosäuren und hochwertigen Proteinen – optimal den Anforderungen des Körpers entsprechen und ihn so gesund erhalten. Schon Hippokrates von Kos, der berühmteste Arzt des Altertums (460 bis 370 v. Chr.) sagte treffend: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und eure Heilmittel eure Nahrungsmittel sein.“

Legales „Körper-Tuning“

Doch damit nicht genug: In der heutigen Gesellschaft spielen eine hohe Leistungsfähigkeit, Vitalität und jugendliches Aussehen eine zunehmende Rolle. Zahlreiche Gesundheitsratgeber versprechen ein neues Körpergefühl durch optimale Vitalstoffversorgung und genetisch korrekte Ernährung. Passend zu diesem Trend entwickelte sich die Vermarktung sogenannter „Superfoods“ erfolgreich.

Superfoods wie Chia-Samen, Goji-Beeren, Granatäpfel, Acai, Moringa und viele mehr sind derzeit in aller Munde. Diese Lebensmittel haben den Ruf, überdurchschnittlich gesund und sogar wahre Jungbrunnen zu sein. Tatsache ist: Der Begriff „Superfood“ ist nicht klar definiert. Allerdings teilen alle Superfoods ein paar Eigenschaften: Sie sind rein pflanzlich und haben besonders hohe Anteile an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, sekundären Pflanzenstoffen, hochwertigen Proteinen, Fettsäuren und Antioxidantien. Durch diese hochwertigen Inhaltsstoffe sollen diese Vitalstoffwunder die körpereigenen Abwehrmechanismen stärken, vor Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Krebs schützen und so ganz nebenbei dem Alterungsprozess entgegen wirken.

Gut für den Körper – schlecht fürs Klima

Leider haben die derzeit populären Superfoods einen großen Nachteil – sie kommen alle aus fernen Ländern: Acai-Beeren und Chia-Samen aus Südamerika, Goji-Beeren und Matcha aus China, Moringa aus Indien oder Afrika, Kakao aus Afrika usw. Selbst wenn diese exotischen Früchte biologisch und fair angebaut werden, ist ihre Einfuhr durch die langen Transportwege mit starken Emissionen belastet. Zudem ist oft zu wenig über die Produktionsbedingungen und mögliche Schadstoffbelastungen bei der Haltbarmachung bekannt.

Auch gibt es die Wundernahrung nicht im Gemüseregal unserer Supermärkte. Man kann sie nur in haltbarer Form wie beispielsweise getrocknet, als Pulver oder Saft im Internet, Reformhaus oder Naturkostladen kaufen – für viel Geld.

Superfood – am besten regional und frisch

Glücklicherweise wachsen auch bei uns wahre Powerfrüchte, die sich keinesfalls hinter den exotischen Superfoods verstecken müssen und zudem den großen Vorteil haben, dass man sie frisch geerntet mit allen Vitalstoffen genießen kann.

Hat ein regionales Superfood Saison, dann kaufen Sie ruhig etwas mehr und frieren Sie sich einen Vorrat ein. Die meisten Vitalstoffe bleiben auf diese Weise erhalten. Sie brauchen also auf nichts zu verzichten. Setzen Sie auf Regionalität und Frische – sich und der Umwelt zuliebe!

„Regionales Superfood“

Hier sind einige Lebensmittel aus unseren Breitengraden, die wahre Vitalstoffwunder sind (natürlich gibt es noch viele mehr):

Grünes Blattgemüse, z. B. Mangold, Rucola, Spinat

Blattgemüse ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen wie Kalium, Magnesium und Folsäure.

Rote Beete (Randig)

Die Rote Beete ist ein unterschätztes Superfood. Sie ist ein starkes Antioxidans und reich an sekundären Pflanzenstoffen, Vitamin C, Folsäure, Kalzium und Magnesium.

Heidelbeeren

Durch den hohen Gehalt an Pflanzenfarbstoffen kann die Heidelbeere DNA-Schäden reduzieren sowie die Ausbreitung von Bakterien, Pilzen und Viren hemmen.

Grünkohl

Das typische Wintergemüse enthält viel Vitamin C, Eisen und mit 150 mg/100 g mehr Kalzium als Milch. Traditionell wird Grünkohl mit Speck oder Würsten serviert. Schonender zubereitet und lecker ist er aber auch als Salat, gedünstetes Gemüse oder im grünen Smoothie!

Hagebutte und Sanddorn

Wahre Vitamin C Bomben sind Hagebutten mit 1.200 mg und Sanddorn mit über 400 mg pro 100 g! Zum Vergleich: Zitronen und Orangen haben etwa 50 mg, Kiwis ca. 70 mg. Aber auch schwarze Johannisbeeren enthalten etwa 180 mg Vitamin C pro 100 g.

Leinsamen

Leinsamen enthalten noch mehr Omega-3-Fettsäuren als Chia-Samen und wirken daher stark antioxidativ gegen freie Radikale. Neben Mineralstoffen und allen essentiellen Aminosäuren enthalten Leinsamen 22 Prozent pflanzliches Eiweiß.

Knoblauch

Wissenschaftlich nachgewiesen hält Knoblauch Blut, Herz und Gefäße gesund. Er desinfiziert den Darm und kann auch bei Diabetes, hohem Cholesterin und sogar Krebs erstaunliche Wirkungen erzielen.

Brokkoli und Brokkolisprossen

Das Kohlgemüse enthält u. a. große Mengen an Kalium und Kalzium, Phosphor und Eisen. Brokkoli wirkt antioxidativ und entgiftend. Es werden ihm sogar krebshemmende Wirkungen nachgesagt.

Sauerkraut

Durch die Fermentation mit Milchsäure wird Weißkohl noch gesünder: Die probiotischen Bakterien unterstützen die Darmflora. Zudem ist Sauerkraut reich an Vitamin C und wertvollen Ballaststoffen.

Walnüsse

Walnüsse haben den höchsten Omega-3-Fettsäurengehalt aller Nüsse (nach der Hanfnuss). Sie können den Cholesterinspiegel und Entzündungsmarker im Blut senken. Außerdem enthält die Walnuss viel Folsäure sowie 14 Prozent pflanzliches Eiweiß.

Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne

Diese Powerkerne enthalten ca. 25 Prozent pflanzliches Eiweiß und einen hohen Anteil an Vitamin E und Magnesium.

Weintrauben, Traubenkerne

Die Inhaltsstoffe Resveratrol und OPC wirken sich positiv auf die Durchblutung aus und beugen so Herz- und Kreislauferkrankungen vor. In Rotwein steckt mehr wertvolles OPC als im Weißwein, da hier die Trauben mit der wertvollen Schale vergoren werden.

Tomaten

Lycopin – der Stoff, der die Tomate rot färbt – ist ein hochwirksamer Radikalfänger und schützt die Zellmembranen. Zudem machen die Früchte glücklich, da sie den Serotoninspiegel anheben.

Wildkräuter

Viele heimische Wildkräuter, zu Unrecht als „Unkraut“ bezeichnet, sind wahre Vitalstoffwunder: Bauen Sie Brennnesseln, Löwenzahn, Bärlauch und Giersch in Ihren Speiseplan mit ein. Ein weiterer Vorteil: Sie wachsen in der freien Natur und können zur richtigen Saison einfach gesammelt werden.

Veröffentlicht am: 28.11.2016