Wie sicher sind unsere Lebensmittel?

Dr. Bernhard Zeiner, Abteilungsleiter der amtlichen Lebensmittelkontrolle in Bregenz

Lebensmittel werden im Sinne des Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetzes umfassend kontrolliert. Zu den Kontrollmechanismen und Ergebnissen berichtet Dr. Bernhard Zainer, Leiter der Abteilung Amtliche Lebensmittelkontrolle, des Instituts für Umwelt und Lebensmittelsicherheit des Landes Vorarlberg.

Wie belastet ist Essen mit Pestiziden?

Grundsätzlich ist die Belastung von Lebensmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft sehr gering. Der aktuelle Bericht der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) zeigt, dass von den im Jahr 2013 etwa 81.000 EU-weit gezogenen Lebensmittelproben mehr als die Hälfte (54,6 Prozent) frei von nachweisbaren Pestizid-Rückständen waren. 98,5 Prozent entsprechen den gesetzlichen Vorschriften. Die verarbeiteten und unverarbeiteten Lebensmittel wurden auf bis zu 685 Pestizide hin untersucht. Der Bio-Anteil betrug im EU-Schnitt 5,7 Prozent (4.620 Proben). Beprobt wurden in den 27 EU-Mitgliedsstaaten, Island und Norwegen schwerpunktmäßig zwölf Lebensmittel (Äpfel, Kopfkohl, Porree, Kopfsalat, Pfirsiche, Roggen, Hafer, Erdbeeren, Tomaten, Kuhmilch, Schweinefleisch und Wein).

Der Bericht über das österreichische Kontrollprogramm Pestizide 2013 (770 Proben) zeigt Unterschiede bezüglich der Herkunft der Waren: Inländische Lebensmittel wiesen seltener (28,5 Prozent) Pestizidrückstände auf als ausländische (70,8 Prozent).

„Fast alle Lebensmittelproben liegen im Rahmen der rechtlich definierten Grenzwerte.“

Wie sicher sind Grenzwerte für die Gesundheit? Wer legt sie fest? Wie werden diese festgelegt?

Wissenschaftliche Grundlagen für die Grenzwerte stammen von der EFSA (European Food Safety Agency) – Europäische Lebensmittelsicherheitsagentur. Sie werden dann in EU-weit gültigen Rechtstexten veröffentlicht und betreffen auch Importprodukte aus Drittstaaten. Seit dem September 2008 wurden die Grenzwerte innerhalb der EU angeglichen und vereinheitlicht. Für den freien Warenverkehr in der EU war die Bestrebung, dass alle Labore die Untersuchungen der Lebensmittel auf dem gleichen Niveau durchführen.

Grenzwerte hängen dabei z. B. von der Menge des Verzehres des einzelnen Lebensmittels ab, zusätzlich auch von den Zielgruppen (z. B. Kleinkinder) des Lebensmittels. Wenn ein Lebensmittel mehrere Zielgruppen hat, zählt der strengste Grenzwert.

Grenzwerte werden dabei im Sinne des Vorsorgeprinzips in der Regel um das 100- bis 1.000-fache unter jener Konzentration angesetzt, bei der noch keine erkennbaren Effekte beim Verbraucher festgestellt werden können.

Entscheidend ist z. B. der ADI (acceptable daily intake), das ist die duldbare tägliche Aufnahmemenge, also jene Dosis einer Substanz, wie etwa eines Lebensmittelzusatzstoffs oder Pestizids, die bei lebenslanger täglicher Einnahme als medizinisch unbedenklich erachtet wird.

„Grenzwerte hängen immer von der Menge des Verzehres eines einzelnen Lebensmittels ab. Zudem ist er auch von der Zielgruppe abhängig. Weiters kommen noch Sicherheitsspielräume hinzu. Seit 2008 sind Grenzwerte in ganz Europa vereinheitlicht.“

Wie unabhängig sind Labore und Prüfinstitute?

Grundsätzlich sind alle akkreditierten Lebensmittellabore unabhängig. Die Akkreditierung stellt sicher, dass das Labor den maßgeblichen Richtlinien zur Qualitätssicherung folgt. Nach der Erstakkreditierung durch die Akkreditierungsstelle (Akkreditierung Austria) im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) gilt ein Labor als anerkannt und unabhängig. Trotzdem werden dann in regelmäßigen Abständen Methodik, Personalschulung, Qualitätssicherung und Dokumentation der Labore überprüft.

„Akkreditierte Lebensmittellabore sind unabhängig. Sie werden regelmäßig extern überprüft.“

Wie wird die Sicherheit für Lebensmittel in Vorarlberg gewährleistet?

Jedes Bundesland verfügt über eine Amtliche Lebensmittelkontrolle. Diese beprobt risikobasiert stichprobenartig oder auf Verdacht, Lebensmittel aus dem In- und Ausland, auch Trinkwasser gehört dazu. Die Untersuchungen erfolgen in Laboren der AGES, in den Bundesländern Kärnten, Wien und Vorarlberg in eigenen Landeslaboren. Freiwillige Qualitätsprogramme wie das Ländle Herkunfts- und Gütesiegel sowie AMA-Zertifizierungen sind ebenfalls ein Teil des Sicherheitsnetzes. Aus Kosten- und Effizienzgründen führt ein Labor nicht alle Überprüfungen selbst durch, sondern spezialisiert sich auf ein Thema; Pestizidrückstände werden z. B. hauptsächlich im AGES-Standort Innsbruck überprüft. Teilweise werden auch Labore aus dem Ausland in Anspruch genommen.

Ergänzend gibt es auch noch nicht-behördliche Untersuchungsstellen. In Vorarlberg erfolgt mehrmals monatlich im Milchlabor der Landwirtschaftskammer in Dornbirn die Untersuchung von Milch jedes Lieferanten auf Gesamtkeimzahl, Zellgehalt, Fettgehalt etc. Weiterführende Routineuntersuchungen betreffend Pestizide, Dioxin, Schwermetalle, Gentechnikfreiheit etc. erfolgen in anderen Laboren.

Zum großen Netzwerk, das versucht, die Sicherheit von Lebensmitteln für Verbraucher zu gewährleisten, gehören auch die Eigenkontrollen des Handels. Lieferanten werden mittels Verträgen oder durch Einbettung in Qualitätsprogramme (Ländle Gütesiegel, AMA, etc.) zur Einhaltung von Qualitätsrichtlinien verpflichtet.

Abschließend sollte betont werden, dass auch der Konsument durch sein Einkaufsverhalten und einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln eine wichtige Rolle im Bereich Lebensmittelsicherheit hat.

„Jedes Labor hat aus Kosten- und Effizienzgründen Spezialisierungsschwerpunkte. Ein ganzes Netz aus Instituten und Laboren versucht maximale Sicherheit zu gewährleisten.“

Veröffentlicht am: 29.08.2016