Folsäure: Einfluss auf Fruchtbarkeit, Herzinfakt, Schlaganfall, Alzheimer uvm.

Folsäure spielt eine gewichtige Rolle im Wachstum und in der Entwicklung. Besonders in der Schwangerschaft kann bei Folsäuremangel die Entwicklung des Embryos gestört werden. Aber auch bei der Vorbeugung gegen Herzinfarkt und Schlaganfall ist Folsäure von Nutzen.

Folsäure gehört zu der Familie der B-Vitamine. Abgeleitet vom lateinischen Wort „folium“ für „Blatt“ – wegen seines Vorkommens in grünen Pflanzenblättern, aber auch Vitamin B9, B11, M oder Folat genannt.

Wie viel Folsäure braucht der Mensch?

Diese Frage ist „andersherum“ leichter zu beantworten: Was passiert, wenn wir zu wenig Folsäure aufnehmen? Ein Mangel kann ernährungsbedingt auftreten, aber auch durch Erkrankungen des Dünndarms oder der Leber entstehen. Ein übermäßiger Alkoholkonsum ist ebenfalls mit einem Folsäuremangel verbunden.

In der Schwangerschaft benötigt der weibliche Körper zudem ein Mehr an Folsäure. Ein Folsäuremangel kann zu einer Fehlbildung des Embryos führen. Diese Fehlbildung kann so schwer ausfallen, dass bei den Neugeborenen Teile des Schädeldaches, Kopfhaut, Hirnhäute und sogar Teile des Gehirns fehlen. Solche Kinder haben eine Lebenserwartung von nur wenigen Stunden nach der Geburt. Eine andere durch Folsäuremangel aufgelöste Fehlbildung ist die Spina bifida, ein mangelnder Verschluss des Neuralrohrs am unteren Ende der Wirbelsäule. Hier sind, je nach Schweregrad, Querschnittslähmungen möglich. Aber nicht nur Schwangere müssen auf ihren Folsäure-Spiegel achten. Folsäuremangel kann zu einer perniziösen Anämie (Blutarmut) führen. Grund hierfür ist die Mitverantwortung der Folsäure bei der Zellreifung.

Wie bereits erwähnt handelt es sich bei der Folsäure um ein Vitamin, welches vom Körper selbst nicht hergestellt werden kann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt folgende Mengen:

Folat (Folsäure) empfohlene Zufuhr laut DGEMikrogramm pro Tag
Kinder 7 bis unter 10 Jahre180
Kinder 10 bis unter 13 Jahre240
Jugendliche 13 bis unter 19 Jahre300
Erwachsene (ab 19 Jahre)300
Schwangere*550
Stillende450

*Frauen, die sich ein Kind wünschen sollten bereits vor der Schwangerschaft 550 Mikrogramm Folsäure täglich einnehmen. In Bezug auf Kinderwunsch ist es aber auch für Männer ratsam, auf ihre Folsäureversorgung zu achten: Es gibt Studien, die einen Zusammenhang zwischen Folsäureaufnahme und Spermienqualität aufweisen.

Zuviel ist ungesund

Eine Zufuhr von mehr als 1.000 Mikrogramm Folsäure pro Tag bringt nicht nur keinen zusätzlichen Nutzen, sondern ist unter Umständen sogar gesundheitsschädigend. Grund hierfür ist die Aktivität des Enzyms, welches die Folsäure in seine aktive Form, die Tetrahydrofolsäure, umwandelt. Die enzymatischen Aktivitäten sind so beschaffen, dass kaum mehr als 1.000 Mikrogramm Folsäure am Tag zu Tetrahydrofolsäure umgewandelt werden können. Der Überschuss wird zum Teil im Urin wieder ausgeschieden oder kaschiert einen Mangel an Vitamin B12, der wiederum zu einer makrozytär hyperchromen Anämie (zu wenige zu große rote Blutkörperchen) sowie neurologischen und psychischen Problemen führen kann.

Folsäure kann vom Organismus – in Zellflüssigkeit und Mitochondrien (Zellkraftwerke) – gespeichert werden, allerdings nicht in unbegrenzten Mengen. Kommt es zu einem Überangebot an Folsäure – zum Beispiel durch die überdosierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln – dann reduziert der Organismus die Proteine, über welche die Folsäure vom Darm in den Organismus eingeschleust wird. Dies ist ein Mechanismus, mit dem sich der Organismus vor einem exzessiven Überangebot an Folsäure schützt.

Woher bekomme ich genug Folsäure?

Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Folsäure sind Weizenkeime und Weizenkleie mit rund 400 Mikrogramm pro 100 Gramm. Hefen weisen noch mehr Folsäure auf: 2.500 Mikrogramm auf 100 Gramm. Aber glücklicherweise sind wir bei der Folsäureversorgung nicht nur auf diese Nahrungsmittel angewiesen: Hülsenfrüchte, Geflügelleber, Kalbsleber, Eigelb, Petersilie, Gartenkresse, dunkelgrünes Blattgemüse, Nüsse, Tomaten, Spargel, Rote Bete, Brokkoli, Vollkornprodukte, eine Reihe von Obstsorten, Fisch und Fleisch weisen zwischen 10 und 200 Mikrogramm pro 100 Gramm an Folsäure auf. Vorallem Geflügel- und Kalbsleber stechen hier mit 100 Mikrogramm hervor, sowie Linsen mit über 200 Mikrogramm pro 100 Gramm.

Folsäurehaltige Lebensmittel

Welche Erkrankungen können mit einer Einnahme von Folsäure „behandelt“ werden?

Prinzipiell können die beschriebenen Erkrankungen behandelt werden, die auf einem Mangel an Folsäure beruhen. Im Zusammenspiel mit anderen B-Vitaminen gibt es Hinweise, dass über eine ausreichende Zufuhr von Folsäure und durch den damit verbundenen Abbau des Homocystein-Spiegels, der Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) und seiner Folgeerscheinungen, wie z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall, vorgebeugt werden kann. Homocystein ist eine Aminosäure (vor allem in Fleisch- und Milchprodukten enthalten), welche mithilfe von Vitamin B6, B12 und Folsäure im Körper abgebaut wird. Wird die Aminosäure nicht abgebaut, stellt dies einen Risikofaktor für Arteriosklerose dar.

Ebenso kann mit Folsäure das Risiko für neurologische Erkrankungen gesenkt werden. Es gibt Untersuchungen, dass durch ausreichende Folsäurezufuhr das Risiko für Alzheimer um 50 Prozent gesenkt und die Gedächtnisleistung verbessert werden kann.

Auch Depressionen gehen oft mit niedrigen Spiegeln an Vitamin B6 und Folsäure einher. Grund dafür mag sein, dass diese Vitamine wichtige Faktoren bei der Synthese von Neurotransmittern sind und deshalb ein Mangel die biochemischen Grundlagen für eine Depression bereitstellt. Auch hier hat die ausreichende Versorgung mit Folsäure einen eher präventiven Charakter.

Ein Artikel von René Gräber, Heilpraktiker

Veröffentlicht am: 4.09.2017