Mega-Fusionen in der Agrochemiebranche

Saatgutherstellung, auch mithilfe von Gentechnik, und die Produktion von Pflanzenschutzmitteln
sind Big Business. Aktuell zeichnen sich große Fusionen in der Branche ab.

Vereinigung von Dow Chemical und DuPont

Mitte Dezember 2015 kündigten die amerikanischen Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont eine Fusion an. Es soll daraus ein neuer Chemieriese mit dem Namen DowDuPont entstehen. Mit der Fusion sollen Kosten eingespart und der bisherige deutsche Marktführer BASF überholt werden. Um die Zustimmung der Kartellbehörden zu erhalten, soll sich der Großkonzern in weiterer Folge in drei Geschäftsbereiche aufteilen: Agrochemie, Kunststoffe und Spezialprodukte. Aktuell meldet die EU Bedenken gegen die Mega-Fusion an und will bis 20. Dezember 2016 prüfen, ob sie den Unternehmen Auflagen macht oder den Zusammenschluss untersagt.

Übernahme von Syngenta durch ChemChina

ChemChina, eine staatseigene Unternehmensgruppe aus China mit Hauptsitz in Peking, interessiert sich seit Herbst 2015 für den Schweizer Pflanzenschutz- und Saatgutproduzenten Syngenta. Nachdem der Präsident Michel Demaré von Syngenta, dem Weltmarktführer im Pflanzenschutz, die Übernahmeversuche des Weltmarktführers im Saatgutbereich – Monsanto aus den USA – abgeblockt hatte, gibt es nun doch Fusionspläne. Die Strategie des Alleingangs bei der aktuell schwachen Branchenkonjunktur kam bei den Aktionären nicht gut an. Sie bezweifeln, dass der Baseler Konzern ohne Fusion einen hohen Börsenwert erreichen kann. Demaré gibt also dem Werben aus Peking nach. Syngenta hat mehrere Standorte in den USA. In Nordamerika ist das Unternehmen größter Anbieter von Pestiziden und spielt eine wichtige Rolle im Saatgut-Markt. ChemChina verfügt neben dem Geschäftsbereich Agrochemie auch über Bereiche wie Elastomere, Petrochemie und Spezialchemie. Bis Jahresende, so ist die Hoffnung der beiden Unternehmen, soll die Transaktion vollzogen sein. Aktuell prüfen diverse Kartellbehörden den geplanten Zusammenschluss. Sollten die beiden Unternehmen fusionieren, wird es für amerikanische und europäische Mitbewerber auf dem asiatischen Markt schwierig werden.

Bayer will Monsanto kaufen

Der Konsolidierungsdruck in der Branche steigt mit den Mega-Fusionen. So befindet sich nun auch die Bayer AG in Verhandlung mit dem amerikanischen Saatgut- und Gentechnik-Riesen Monsanto. Im Agrochemiegeschäft wird Bayer immer stärker. 2002 kauften die Leverkusener das Landwirtschaftsgeschäft von Konkurrent Aventis und damit auch gentechnisch veränderten Reis. Glyphosat – der Zankapfel der Nation – wird längst nicht mehr nur von Monsanto produziert, sondern auch von anderen. Auch Bayer hat das Pestizid in seinem Sortiment. Die Bayer CropScience AG (selbständiger Teilkonzern der Bayer AG) verkauft vor allem Pflanzenschutzmittel – erst vor wenigen Jahren gab es den Einstieg in das Saatgutgeschäft. So gesehen ergänzen sich beide Unternehmen inhaltlich gut. Mit der Übernahme will Bayer wahrscheinlich auch vermehrt auf dem amerikanischen Markt kräftig mitmischen. Bis dato konzentrierte sich das Leverkusener Unternehmen mehr auf Europa und Asien.

Veröffentlicht am: 30.08.2016