Metzger Anton Fetz

„Tiere sollten zum nächstgelegenen Schlachthof gebracht werden“

Anton Fetz ist der neue Betreiber des Schlachthofs in Dornbirn.
Er plädiert dafür, dass der Transportweg der Schlachttiere möglichst kurz sein sollte.

Eines ist klar: Ein Ort, an dem Tiere geschlachtet werden, wird nie mit schönen Bildern verbunden sein. Auch Anton Fetz macht sich in dieser Hinsicht nichts vor. Dennoch hat der 45-jährige Bregenzerwälder die Übernahme des Schlachthofs Dornbirn mit einer Vision verbunden: „Es wäre ideal, wenn allen Tieren lange Transporte erspart blieben.“ Was der Andelsbucher damit ausdrücken will, ist: „Es sollte gesetzlich verankert werden, dass Tiere zwingend zum nächstgelegenen Schachthof gebracht werden müssen. Leider sind wir, EU-weit betrachtet, meilenweit davon entfernt.“

Umso wichtiger ist es, sich wenigstens in Vorarlberg dieser Thematik bewusst zu werden. Auch in dieser Hinsicht hat Anton Fetz, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Gaby, klare Vorstellungen: „Es sollte im Land in allen Belangen eine regionale Vermarktung in einem geschlossenem Kreislauf angestrebt werden.“ Gefordert sind dabei alle Beteiligten, auch die Landwirte. „Denn meistens entscheidet der Bauer mit, wohin das Tier geht“, so der Metzgermeister. Es kann nicht immer alles Fleisch in Vorarlberg direkt vermarktet werden und durch die Nähe zu Deutschland oder Italien und den dortigen, manchmal besseren Preisen, gehen einige Kühe und Kälber zur Schlachtung ins Ausland. Gefragt ist für Fetz aber auch die Gastronomie. Ein Umdenken in der Verwertung aller Fleischteile eines Rinds oder Kalbes, würde hier schon sehr viel bewirken. „Nur allerhöchstens 20 Prozent des Fleisches, das in der Gastronomie auf dem Teller landet, stammt aus dem Ländle“, bringt er es auf den Punkt.

Diskussionen um Fortbestand des Schlachthofs

Nachdem sich die Stadt Dornbirn zurückgezogen hatte, wurde monatelang darüber diskutiert, wie es mit dem Schlachthof weitergeht. Hätte sich kein privater Betreiber wie Anton Fetz gefunden, wären die Pforten wohl endgültig geschlossen worden. Sehr zur Freude von Vegetariern, Veganern und Tierschützern. Allerdings: Das Schlachtthema hätte sich damit nur verlagert. Denn auch in Vorarlberg wollen neun von zehn Personen zumindest nicht gänzlich auf Wurst oder Fleisch verzichten. Viele Metzger in Vorarlberg schlachten selbst. Auch Anton Fetz führt in zweiter Generation seinen Schlacht- und Zerlegebetrieb in Andelsbuch unverändert weiter.

Doch der Gesamtbedarf an Fleisch kann dadurch keineswegs abgedeckt werden. Laut jüngsten Zahlen wurden in Dornbirn im vergangenen Jahr ca. 4.500 Stück Großvieh, rund 2.500 Kälber, 8.000 Schweine und
ca. 1.500 Schafe und Ziegen geschlachtet. Gäbe es also keinen zentralen Schlachthof in Vorarlberg mehr, müssten diese Tiere irgendwo anders „hingekarrt“ werden. Zum Vergleich: im größten Schlachtbetrieb Deutschlands, dem Unternehmen Tönnies, werden pro Jahr allein über 16 Millionen Schweine geschlachtet. Bei durchschnittlich 250 Schlachttagen pro Jahr entspricht dies einer Tagesmenge von 64.000 Schweinen. Und im Schlachthof Kempten im Allgäu, der 2012 von Tönnies übernommen wurde, lassen pro Woche rund 1.000 Rinder ihr Leben. Das sind täglich (Montag bis Freitag gerechnet) 200 Großtiere.

Von solch industriellen Massenzahlen ist man im Ländle weit entfernt. Doch, wie bei Unternehmen in anderen Branchen, ist der Schlachthof nichts anderes als ein Dienstleistungsbetrieb, bei dem die wirtschaftliche Rentabilität gegeben sein muss. In den letzten Jahren stand jedoch ein jährlicher Verlust von Eur 200.000, der von der Stadt Dornbirn getragen wurde, zu Buche. Als privater Betreiber wäre solch ein Abgang natürlich nicht denkbar. Maximal fünf Jahre bleiben Fetz – mithilfe finanzieller Unterstützung vom Land – nun Zeit, den Schlachthof in ein rentables Unternehmen an diesem Standort umzuwandeln. Dass der Schlachthof einst neben dem Bahnhof errichtet wurde, hat einen Grund. Denn früher wurden die Tiere vor allem mit der Bahn „geliefert“. Heute ist ein solcher Betrieb mitten im Stadtgebiet nicht mehr zeitgemäß. Deshalb wird langfristig der Standort verlegt werden. Konkrete Angaben dazu kann Anton Fetz jedoch noch nicht machen.

Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von LK-Präsident StR. Josef Moosbrugger – bestehend aus Vertretern der Metzger und Bauernschaft – erarbeitet aktuell Vorschläge, wie die Auslastung verbessert werden könnte. Aber auch ein langfristiges Konzept mit neuem Standort soll entwickelt werden.

Ehrgeizige Ambitionen

Die ehrgeizigen Ambitionen von Anton Fetz zielen klar darauf ab, dass in Vorarlberg auch langfristig eine moderne regionale und zentrale Schlachtstelle Bestand haben soll. Seiner Meinung nach ist es im Sinne aller, wenn in Vorarlberg weiterhin die Möglichkeit besteht, das Schlachtvieh auch im Ländle schlachten lassen zu können. Dies hat Vorteile für die Handelsbetriebe und vor allem für den Endkunden, der Wert auf Ländle Fleisch legt. Fetz arbeitet deshalb auf eine bessere und höhere Auslastung hin. Kapazitäten dafür gibt es, da bisher nur an zwei Tagen (Montag und Dienstag) geschlachtet wird.

Unterschiede zwischen seinem Betrieb in Andelsbuch und Dornbirn gibt es keine. „Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren, aber im Vordergrund muss immer stehen, dass die Tiere so wenig Stress wie möglich haben und natürlich keine Schmerzen erleiden. Auch der Respekt gegenüber dem Tier muss gegeben sein. Darauf wird das Personal auch geschult.“ Missstände dulde er auf keinen Fall. Er sei auch offen für einen Austausch mit Tierschutzorganisationen, wie dem VGT.

Veröffentlicht am: 11.12.2017