Immer um einen Whisky voraus

In Klaus ist ein ganzer Familienclan am Werk, um Whisky „Made im Ländle“ herzustellen. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen.

Man muss dem Leben immer um mindestens einen Whisky voraus sein, meinte einst der berühmte Filmschauspieler Humphrey Bogart. Ein Zitat, das in der kleinen Privatdestillerie Broger in Klaus auch tatsächlich umgesetzt wird. Denn die brennende Begeisterung für hochprozentige Köstlichkeiten lässt den Familienclan ständig nach Verbesserung und Neuheiten streben. Und das alles mit ganz viel „Ländle-Inhalt“.

Elf Köpfe bei der Arbeit
Eines ist gewiss: Dem Zufall wird im Hause Broger nichts überlassen. Der Auftritt nach außen ist hochprofessionell, das wird auch bei der eigenen Website ersichtlich, die knackig und übersichtlich beschreibt, wofür die kleine Destillerie steht. Und wer die Köpfe zählt, die alle hinter der Produktion und dem Vertrieb stecken, kommt auf elf Personen. Doch es sind vor allem die „inneren Werte“, die den Erfolg der Privatbrennerei ausmachen. Und die lagern in Dutzenden Fässern im Keller eines umgebauten Stadels.

„Es war 2008, als wir uns dachten, dass es lässig wäre, Getreide zu brennen“, erzählen die für das Marketing zuständigen Cousinen Katrin und Anna wie die Geschichte der Whisky-Produktion begann. Dazu musste der Betrieb aus gesetzlichen Gründen zuvor auf eine Teilverschlussbrennerei umgestellt werden. Denn ansonsten hätte keine Ware zugekauft werden dürfen. Anschließend wagten die beiden Brüder Bruno und Eugen den Versuch. „Am Anfang haben wir natürlich etwas Lehrgeld gezahlt.“ Doch schon bald waren die Ergebnisse zufriedenstellend. Immer wieder gingen sie dabei in den Keller, um den Duft des Single Malt einzuatmen und ein Schlückchen zu probieren. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich der hochprozentige Inhalt auch so entwickelt, wie er soll.

Drei Jahre später – so lange muss ein Whisky mindestens reifen – konnten die ersten Flaschen abgefüllt werden. Die Reifung erfolgt in unterschiedlichen Fässern. Auf den Beginn einer neuen Ära konnte damit im wahrsten Sinne des Wortes angestoßen werden.

Internationale Auszeichnungen
Gut ein Jahrzehnt nach den ersten Versuchen darf sich der kleine Betrieb bereits über internationale Auszeichnungen freuen. Das renommierte amerikanische Advocate Magazin zeichnete einen Jahrgang sogar zum „World Whisky 2014“ aus. Die Brogers hätten damals gleich ihren ganzen Jahrgang in die USA verkaufen können. Doch der Familie ist die Bodenständigkeit lieber, zumal das Brennen von Whisky, Gin und Edelbränden trotz höchster Professionalität nur als Hobby betrieben wird. Das Geld, das sie einnehmen, wird unter anderem dafür investiert, um Neues zu kreieren und dabei auch unkonventionelle Wege zu gehen. Womit Humphrey Bogarts Spruch, dass man immer einen Whisky voraus sein sollte, zu 100 Prozent erfüllt wird. Oder sollte man besser schreiben: 42 Prozent. Denn mindestens so viel Alkohol enthalten die Broger Whiskys.

„Wir experimentieren gerne“, betont Brennmeister Bruno Broger, der auf internationalen Wettbewerben auch als Verkoster tätig ist und immer wieder seine scharfsinnige Zunge unter Beweis stellt. So laufen derzeit Versuche, aus Einkorn Whisky herzustellen. Insgesamt drei Brennmeister und mit Ulrike auch eine Brennmeisterin sind für das Gelingen verantwortlich. Der jüngste Destillateur Hannes – Sohn von Bruno – ist zudem der Fassverwalter. Er weiß genau, welcher Schatz in welchem der Fässer reift. Als Mathegenie berechnet er die hochprozentigen Destillate auf Strich und Komma genau.

Eigene „Hoamat-Linie“
Mit dem „Hoamat-Whisky“ wurde auch eine eigene Ländle-Linie konzipiert. Bezeichnet werden sie als Single Grains. „Begonnen hat dies vor elf Jahren mit Vorarlberger Riebelmais – dem Ländle Riebel – von Richard Dietrich aus Lauterach.“ Diese Regionalität wurde nach und nach ausgebaut. Neben Riebelmais beziehen sie auch Braugerste, Weizen, Roggen und Ländle Dinkel von Vorarlberger Landwirten. Die Produkte stammen von Michael Heinzle aus
Koblach, von Bruno Nachbauer aus Klaus, dem Sennhof in Rankweil und Richard Dietrich aus Lauterach. Vier „Hoamat-Sorten“ werden angeboten. Die hauptberuflich als Grafikerin tätige Anna Broger hat dafür ein eigenes Etikett entworfen. Hier steckt – symbolisch gesprochen – viel Vorarlberger Blut drinnen.

Die Einbindung regionaler Erzeuger ist dem Familien-Clan sehr wichtig. Unterstreicht er doch ihre Affinität zum Ländle, die auch beim Gin sichtbar wird. Neben dem klassischen Wacholderbrand gibt es nun eine zweite Sorte namens „Gin Gold“, der eine goldig-gelbe Farbe aufweist. Der Grund dafür: Er ist mit Safran, der von den Familien Fleisch-Halbeisen und Marte in Viktorsberg angebaut wird, ange-reichert.

Insgesamt werden acht Whiskysorten vertrieben. Besonders beliebt ist der aus Gerstenmalz gewonnene Triple-Cask oder der rauchige „Burnout“, dessen Gerste über Torf getrocknet wurde. „Es ist der stärkste Stier im Stall“, sind sich alle einig. Bärenstark ist es jedenfalls, was in der kleinen Privatdestillerie in Klaus entsteht. Da hätte wohl sogar Winston Churchill seine helle Freude gehabt, der einmal meinte: „Ich habe aus Alkohol mehr herausholen können, als er aus mir.“

Broger Privatbrennerei
6833 Klaus, Dammweg 43
T 05523/535 46 oder 05523/552 33, office@broger.info www.broger.info

Produkte mit Ländle Gütesiegel:
Vorarlberger Riebelmais Whisky, Vorarlberger Dinkel Whisky, Vorarlberger Weizen Whisky, Vorarlberger Gersten Whisky

Weitere Produkte:
Triple Cask Whisky, Medium Smoked Whisky, Burn Out Whisky, Distiller’s Edition, Whisky Cream, Gin Original, GinSalaBim, Gin Gold, diverse Edelbrände

Verkauf:
Ab Brennerei nach vorheriger Vereinbarung
Zweite Verkaufsstelle: 6833 Klaus, Sattelberg 99

Veröffentlicht am: 2.09.2020