Wo das Gelbe vom Ei zu Hause ist

Am Christahof in Bezau dreht sich (fast) alles um das Ei. Kein Wunder, ist doch Geflügelwirtschaftsmeister Michael Natter der Herr über 2.300 Hühner.

Der November lässt es später hell werden am Christahof. Noch zieht sich der Nebel wie undurchdringbare Fäden den Hügel entlang, deckt die umliegende Landschaft zu wie ein Bettlaken. Das Tageslicht hat anfangs Mühe, sich gegen das diesige Band durchzusetzen, doch mehr und mehr sinkt der Dunst hinab und gibt die Sicht auf das Anwesen der Familie Natter in Bezau frei. Jetzt haben auch die Hühner die Morgensonne für sich entdeckt und kommen reihenweise aus ihren Stallungen heraus. Eine gewisse Glückseligkeit scheint der Stimmung innezuwohnen. Das Gelbe vom Ei offenbart sich in diesem Moment. Auch bei Bauer Michael Natter, der dieses besondere Ambiente des Morgengrauens mag. Nicht nur er, sondern auch seine Tiere sollen sich wohlfühlen. Und wer die braune Hühnerschar so vor sich hin gackern hört, ist überzeugt, dass zumindest ein wenig von diesem Glück in jedem Ei steckt.

Direkt mit Freilandhaltung gestartet
Michael Natter war noch gar nicht geboren, als sein Vater Hubert im Jahr 1994 mit der Freilandhaltung von Hühnern startete. Aus Erzählungen weiß der heute 24-Jährige, dass sein Vater dafür anfangs sehr belächelt wurde. „Damals war es normal, dass die Eier von Käfighühnern stammen. Eine Umstellung auf Freiland war mit großem Aufwand verbunden, außerdem waren die Rassen damals eigens auf Käfighaltung gezüchtet.“ Die große Frage, die sich stellte, war, ob der Konsument bereit sei, für ein Ei mehr zu bezahlen. Schon längst ist die Antwort klar, die Nachfrage nach Freilandeiern ist in Vorarlberg jedenfalls groß. „Allerdings“, gibt Michael Natter zu bedenken, „stammen weltweit 96 Prozent aller Eier noch immer aus Käfighaltung.“ In der EU ist die traditionelle Käfighaltung seit 2012 verboten. Übrigens hält sich auch hartnäckig das Gerücht, dass weiße Eier aus Käfighaltung stammen und braune nicht. Die Farbe der Eier hängt aber von der Rasse ab.

Acht Quadratmeter Auslauf pro Huhn
Während ein Käfighuhn auf einem Platz, der kleiner als ein A4-Blatt ist, sein karges Leben dahindarben muss, hat eine einzige Henne auf dem Christahof acht Quadratmeter Auslauffläche. Und das bei einer Stückzahl von knapp 2.300 Tieren. Sie können nach Herzenslust scharren und picken. Im Spätherbst genießen die Hühner die Sonnenwärme, im Sommer hingegen, wenn es heiß ist, bevorzugen sie den Schatten unter den Brombeersträuchern. Auch ein überdachter Teil steht zur Verfügung – eine Art Wintergarten, wo sich die Hennen bei Schlechtwetter gerne aufhalten.

Warum ist der Dotter gelb?
Dadurch, dass Michael Natter mit den Hühnern groß geworden ist, hat er sich zum echten Experten entwickelt. Der gelernte Zimmerer und hauptberufliche Landwirt hat sich tief in die Materie eingelebt und eine Ausbildung zum Geflügelwirtschaftsmeister absolviert. Diese umfasst einerseits die betriebswirtschaftlichen Seiten der Hühnerhaltung als auch umfangreiches Detailwissen über Aufzucht, Fütterung, Tiergesundheit und rechtliche Bestimmungen. Wer also zu den Produkten des Christahofes greift, erhält das Gelbe vom Ei.

Apropos Gelb: Warum sind manche Dotter heller und manche dunkler? Michael Natter kennt die Antwort. „Das hängt in erster Linie von der Fütterung ab. Alles was grün und gelb ist, fördert die Farbe.“ Hühner, die viel an der frischen Luft sind und sich von frischen Erzeugnissen aus der Natur ernähren, legen Eier mit kräftig gefärbtem Dotter, da darin viele Carotinoide enthalten sind. Allerdings stammt nicht jedes „dunkle Ei“ automatisch von einem glücklichen Huhn. Denn in der industriellen Großproduktion werden die Farbstoffe oftmals dem Futter beigemischt. Das käme für Michael Natter natürlich nie in Frage. Vielmehr erhält sein Geflügel – neben dem was es auf der Wiese findet – ausschließlich gentechnikfreies Donau Soja. Neunmal am Tag ist Futterzeit.

Händisch verpackt
Wie sangen die „Comedian Harmonists“ einst so treffend: „Ich wollt, ich wär‘ ein Huhn. Ich hätt‘ nicht viel zu tun. Ich legte vormittags ein Ei. Und abends wär‘ ich frei!“ Das trifft auch auf die Hennen des Christahofes zu. Denn spätestens zu Mittag sammelt Familie Natter das Tagesergebnis ein. Mindestens 2.000 Eier sind es täglich, die behutsam über ein Förderband rollen. Von dort werden sie dann automatisch, je nach Gewicht, sortiert, gestempelt und anschließend von Familie Natter händisch verpackt. Entweder in 30er-Höcker für die Gastronomie und Privatkunden oder in 6er- und 10er-Packs für den Lebensmittelhandel. Der Betrieb, der auch auf Mutterkuhhaltung setzt, ist Partner von Spar.

Jetzt, in der Adventszeit, sind Eier besonders häufig gefragt, sind sie doch Hauptzutat von Keksen oder Kuchen. Doch was ist mit den Hühnern, wenn der Schnee fällt? Dann sind sie hauptsächlich im überdachten Bereich, weil Hennen weniger auf weiße Weihnachten stehen.

Christahof, Bezau | Bestes aus dem Bregenzerwald

Christahof, Familie Natter
6870 Bezau, Ach 212, T 05514/2096
natter.hubert@aon.at, www.laendle.at/eier

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Veröffentlicht am: 7.01.2020