Wo die Gurken auch krumm sein dürfen

Der Koblacher Jürgen Meusburger zählt zu den größten Gemüsebauern des Landes. Seine Philosophie ist es, hochwertige Ware zu einem leistbaren Preis zu produzieren.

Wie war das nochmal mit der EU und der Gurkenkrümmung? Egal. Im Hofladen von Jürgen Meusburger in Koblach darf das besonders kalorienarme Gemüse, das bis zu 97 Prozent aus Wasser und vielen Vitaminen besteht, von der Form her schon mal aus der Reihe tanzen. Denn für einen, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, regionale und hochwertige Lebensmittel zu produzieren, ist das kein Grund, sie gleich auszulesen und zu vernichten. Schönheit ist schließlich Geschmackssache. Und das trifft in diesem Fall tatsächlich den Nagel auf den Kopf. Und was viel wichtiger ist: Das Gemüse zeichnet sich durch seine einmalige Frische aus.

Von den insgesamt 22 Hektar bewirtschafteten Feldern bis zum Hofladen – Meusburger ist fast ausschließlich Selbstvermarkter – ist der Weg kurz. Damit ist jeder Schritt nachvollziehbar. Die Auswahl an Gemüse ist groß und zieht sich durch alle Jahreszeiten hindurch. „Wir sind ein Ganzjahresbetrieb, ansonsten wäre das bei dieser Größe auch nicht mehr machbar”, bringt es der 39-Jährige auf den Punkt. „Für die Konsumenten spielt es eine immer größere Rolle, dass hinter den Produkten auch eine Person steht”, hat er die Erfahrung gemacht. Von-Angesicht-zu-Angesicht schafft Vertrauen.

Bereits 1986 hat sein Vater von Viehhaltung auf Gemüseanbau umgesattelt, was bei vielen ein Kopfschütteln auslöste. Heute bringt die Familie viel Erfahrung mit, was ihr selbst und den Konsumenten zugutekommt. Ebenso betreibt der Hof seit 25 Jahren ein SB-Konzept. Auch hier waren die Meusburgers Vorreiter.

Beitrag zur Eigenversorgung im Ländle
Bekannt ist Jürgen Meusburgers Betrieb auch wegen der vielen Kartoffelsorten. „Neben den Kartoffeln sind es noch 40 andere Kulturen, die angebaut werden”, ergänzt er. Dazu gehören verschiedene Salate, Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika und Pfefferoni oder auch Kraut und Rüben, die auf seinen Feldern wachsen. Welch wichtige Rolle Gemüseanbauer im Land spielen, zeigt, dass die Eigenversorgung bei Gemüse in Vorarlberg bei unter zehn Prozent liegt. Das heißt, dass der allergrößte Teil aus anderen Bundesländern oder dem Ausland importiert werden muss.

Produkte mit Ländle Gütesiegel
Das Ländle Gütesiegel hingegen garantiert Regionalität und totale Transparenz. Gemüseproduzenten, die ihre Produkte unter dem Ländle Gütesiegel vermarkten, haben sich zur Einhaltung von strengen Richtlinien verpflichtet. Die Produzenten sind zur Aufzeichnung der durchgeführten Maßnahmen verpflichtet und unterliegen regelmäßigen, unangekündigten Kontrollen durch die Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH (LQM) und deren externen Kontrollstellen.

Guter Ertrag und geringe Ausfallquote
Damit die Familie – Jürgens Frau Alexandra ist in erster Linie für den administrativen Bereich und den Verkauf zuständig – von der Landwirtschaft leben kann, ist es wichtig, dass der Ertrag stimmt. Rund 90 Prozent der Ernte landet tatsächlich auf den Ladentischen. Eine hohe Zahl, denn im großindustriellen Bereich ist die Ausfallquote wesentlich höher. Nur die optisch schönste Ware hat Chancen, in den Handelsregalen zu landen. Der Rest endet in der Mülltonne. Womit wir wieder bei der (zu) krummen Gurke sind. Sie steht symbolhaft für Gemüse, das optisch mit kleinen Makeln versehen, aber von der Qualität einwandfrei ist. Im Meusburger Hofladen ist diese Ware als „2. Wahl” deklariert.

Kooperationen sind wichtig
Um die Prozentzahl der Eigenversorgung zu erhöhen, braucht die Landwirtschaft entsprechende Flächengrößen. Jürgen Meusburger spricht von einem halben Hektar aufwärts. Doch Boden ist im Ländle rar und kostbar. Die Konsequenz ist, dass die bestehenden Flächen optimal genutzt werden müssen. „Die Zeitfenster zwischen den Ernten werden kürzer und der technische Einsatz wesentlich intensiver”, nennt der Koblacher eine Konsequenz aus der landschaftlichen Veränderung in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Für die Bauern bedeutet dies, dass innerhalb kurzer Zeitspannen immer mehr erledigt werden muss. Im Jargon ausgedrückt: „Ackern bis zum Umfallen.”

Bewusst spricht Meusburger davon, dass es auch in der Landwirtschaft vermehrt Kooperationen geben muss. Die Zusammenarbeit ist in Zukunft ein entscheidender Aspekt. „Wir müssen in dieser Hinsicht als Region denken.” Jürgen Meusburger setzt etwa auf Tauschflächen. Auf diese Art können Monokulturen vermieden werden. Das sorgt für eine bessere Resistenz. In seinen Worten ist die Leidenschaft spürbar. Ohne diese wäre der Betrieb auch gar nicht zu führen. Schließlich geht es von Anfang April bis Mitte November
6 1/2-Tage pro Woche durch. Zeit für Urlaub bleibt im Winter. Wobei Jürgen Meusburger gleich hinzufügt: „Aber zehn Tage reichen mir schon. Länger halte ich es eh nicht aus.”

Gemüsebau Meusburger, Koblach
Gemüse mit Ländle Gütesiegel
Kartoffel mit Ländle Gütesiegel

Gemüsebau Meusburger
Jürgen Meusburger, 6842 Koblach, Au 5
T 0664/142 90 56, gemuesebau.meusburger@gmx.at

Produkte:
Ländle Gemüse: großes Sortiment an Lagergemüse (Karotten, Zwiebeln, Schwarzer Rettich, Sellerie, Kraut, …), Gemüse der Saison (Paprika, Tomaten, Pfefferoni, Salate)
Ländle Kartoffeln: diverse Sorten

Hofladen (Selbstbedienung): Montag bis Freitag 7:00 bis 19:00 Uhr, Samstag 7:00 bis 13:00 Uhr, Sonn- und Feiertage geschlossen
Öffnungszeiten Einlagerungsverkauf (Anfang September bis Ende Oktober): Montag bis Samstag 8:00 bis 11:00 Uhr und Freitag 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Veröffentlicht am: 27.08.2019