Sichere Lebensmittel und Pflanzengesundheit

Die Aufgabe der österreichischen Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, die gestellten Anforderungen durch die Konsument/-innen ebenfalls. Immer häufiger wird auch über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft diskutiert. Wie bei fast allen Themen gibt es unterschiedliche Ansichten und Meinungen.

Bei Ländle Produkten liegt der Fokus ganz klar auf der Produktion nachhaltiger und gesunder Lebensmittel. Wenn beispielsweise Pflanzen Unterstützung gegen ungesunden Pilzbefall benötigen, ist der Einsatz entsprechender Mittel erlaubt. In anderen Bereichen hingegen werden auch klare Verbote ausgesprochen. So ist bereits seit 2018 der Einsatz von Glyphosat bei allen Produkten mit Ländle Gütesiegel verboten.

Doch wie sieht es allgemein mit der Qualität österreichischer Lebensmittel aus? An welche Regeln müssen sich Landwirte beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln halten? Welche Auswirkungen haben die Wünsche der Konsumenten auf den Markt?

Wir haben einige Experten aus unterschiedlichen Bereichen um ein Statement gebeten.

Roland Achatz
Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)
Roland Achatz | Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)

„Die österreichische Bevölkerung erwartet sich gesunde, sichere Lebensmittel in hoher Qualität und ein ausreichendes Angebot. Die Produktion soll nachhaltig und womöglich regional sein, negative Umweltauswirkungen sollen vermieden werden. Aber wie sieht es mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen aus?

Die wichtigste Botschaft vorab: Das größte Risiko bei Obst und Gemüse ist, zu wenig an Obst und Gemüse zu essen! Denn Obst und Gemüse haben eine hohe präventive Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall und Krebserkrankung. Bei 500 Gramm Obst und Gemüse täglich lässt sich das Risiko für einen frühzeitigen Tod um 27 Prozent reduzieren.

Nationale und europäische Pestizid-Überwachungsprogramme zeigen eine starke Abnahme der Höchstwertüberschreitungen seit 2008. Europaweit werden jährlich ca. 85.000 Lebensmittelproben auf Pestizide untersucht. Dabei werden in mehr als der Hälfte der Proben trotz der immer genauer werdenden Analytik überhaupt keine Rückstände nachgewiesen. In Österreich waren 2017 sogar drei Viertel der Proben frei von bestimmbaren Rückständen. Die Höchstwertüberschreitungen lagen in den vergangenen zehn Jahren zwischen 0,7 und 2,8 Prozent. Seit 2010 wurden lediglich neun Proben als gesundheitsschädlich bewertet.

Obst und Gemüse sind in Österreich wirklich gut kontrollierte und sichere Lebensmittel. Europaweit harmonisierte, gesetzliche Höchstwerte verhindern den Import stark belasteter Ware. Zudem tragen Pestizid-Reduktionsprogramme der Handelsketten und eine verbesserte Agrarpraxis von Seiten der Erzeuger zur steigenden Qualität der Lebensmittel in Österreich bei. Pflanzenschutzmittel gehören zu den bestuntersuchten Substanzen. Sie werden in regelmäßigen Abständen neu bewertet, wobei neueste wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden. Dabei müssen Grenzwerte so gewählt werden, dass selbst bei außerordentlich hohem Konsum keine gesundheitlichen Vorsorgewerte überschritten werden. Wenig bis keine Rückstände sind aus Sicht der Pestizid-Rückstandsanalytik vor allem auf die „gute Agrarpraxis” zurückzuführen.

Grenzwertüberschreitungen ziehen übrigens keine gesundheitlichen Folgen nach sich, da diese „Vorsorgewerte” sind. Ich betone daher immer, wir befinden uns bei der Pflanzenschutzmittel-Rückstandssituation im sicheren „grünen Bereich”. Es liegt in unserer gemeinsamen Verantwortung, die Wünsche der Konsument/-innen ernst zu nehmen und gleichzeitig die Diskussion über Pflanzenschutzmittel zu versachlichen.“

Ing. Christian Meusburger
Bereichsleiter Pflanzenbau & Tierhaltung der Landwirtschaftskammer Vorarlberg
Ing. Christian Meusburger | Landwirtschaftskammer Vorarlberg - Bereichsleiter Pflanzenbau und Tierhaltung

„Die Wünsche und auch Fragen der Konsument/-innen sind berechtigt und beschäftigen sowohl die Landwirtschaftskammer als auch die Landwirte selbst jeden Tag. Bezogen auf den Pflanzenbau ist das oberste Ziel der Bauern, nachhaltig gesunde Produkte herzustellen. Und das unter möglichst bodenschonenden Maßnahmen, damit ihre Einkommensgrundlage, der Boden, auch langfristig genutzt werden kann.

Pflanzen können als Organismen, genauso wie der Mensch, krank werden, daher werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt, um das zu verhindern. Dabei ist der schonende Einsatz ausschlaggebend. In Österreich gibt es auf die jeweiligen Regionen abgestimmte Warndienste für die unterschiedlichen Pflanzenkulturen. Bei hohem Erkrankungsrisiko durch die jeweilige Wetterlage werden die betroffenen Bauern informiert, damit sie darauf reagieren können. Jedoch nur sachkundige Landwirte, die entsprechende Schulungen absolviert haben, dürfen Pflanzenschutzmittel ausbringen, somit werden Anwendungsfehler minimiert. Ohne entsprechende Sachkunde sind die Mittel für den Landwirt gar nicht zu erwerben. Da Pflanzenschutzmittel nicht gerade günstig sind, wäre ein Ausbringen ohne Mitteilung durch den Warndienst auch ökonomisch nicht sinnvoll.

Obwohl die Ackerfläche in Vorarlberg mit zwei Prozent der Gesamtfläche sehr klein ist, sind auch wir permanent damit beschäftigt, alternative Lösungen zu finden. Dabei wird auch auf Forschungen und Tests aus dem Ausland zurückgegriffen. Beispielsweise entstand in den Niederlanden durch klassische Züchtung eine Kartoffelsorte, die eine wesentlich höhere Resistenz gegen Krautfäule aufweist. Leider kann diese Sorte geschmacklich nicht überzeugen, weswegen sie beim Konsumenten durchfallen würde. Also muss weiter geforscht werden.

Die größte Herausforderung der Zukunft im Bereich Pflanzenschutz stellt der Klimawandel dar. Neue Schädlinge und Krankheiten werden uns und die Landwirte beschäftigen. Es gilt, dagegen bestmögliche und umweltschonende Lösungen zu finden.“

Mag. Marcel Strauß
Geschäftsführer Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH
Mag. Marcel Strauß | Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH

„Die Rolle der Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. War es in der Mitte des vorigen Jahrhunderts noch Kernaufgabe, die wachsende Bevölkerung flächendeckend zu ernähren, ist es heute die Produktion von nachhaltig hergestellten und möglichst gesunden Lebensmitteln.

Auch das Produktangebot hat sich über die Jahrzehnte deutlich vergrößert. Doch nicht nur die Vielfalt der Produkte in den Regalen hat zugenommen, sondern auch die unterjährige Verfügbarkeit hat sich verändert. Heute ist faktisch jedes Produkt ganzjährig erhältlich. Dass diese Produkte damit einhergehend aus verschiedensten Regionen der ganzen Welt importiert werden müssen, ist eine logische Konsequenz unseres Konsumverhaltens. Nach welchen Kriterien für Mensch und Umwelt diese Produkte hergestellt werden, fragt oft niemand, solange der Preis stimmt.

Es ist wichtig, dass Konsumentinnen und Konsumenten verstehen, woher der Mehrpreis unserer regionalen Lebensmittel kommt – es sind nicht nur die kleineren Betriebsstrukturen, sondern vor allem die deutlich strengeren Produktionsstandards im Vergleich zum Weltmarkt. Verzichtet ein heimischer Landwirt auf den Einsatz gewisser Pflanzenschutzmittel und riskiert bzw. verliert dadurch einen Teil seiner Ernte, muss er dies in seiner Gesamtkalkulation berücksichtigen und den Preis entsprechend anpassen. Der Produzent afrikanischer Frühkartoffeln hat derlei Auflagen und Probleme meist nicht und kann preisgünstig am Markt agieren.

Doch die Konsumentinnen und Konsumenten sind kritischer geworden und hinterfragen zurecht in einem immer stärkeren Ausmaß, woher ein Lebensmittel stammt und wie es hergestellt wurde. Dabei ist es im Dschungel an Verordnungen, Studien, Social-Media-Artikeln und Presseberichten nicht immer leicht, den Überblick zu bewahren und seriöse Berichterstattung von Polemik zu trennen. Aus unseren eigenen Marktforschungen wissen wir, dass der durchschnittliche Vorarlberger Konsument ein sehr positives Bild in Bezug auf die Qualität heimischer Lebensmittel hat, aber auch ein überdurchschnittlich kritischer und anspruchsvoller Konsument ist.

Diesem Umstand versuchen wir mit dem Ländle Gütesiegel Rechnung zu tragen, in dem wir übergesetzliche Standards für jede Produktkategorie definieren und die Einhaltung derselben durch interne wie externe Kontrollstellen überprüfen lassen. Im Jahr 2018 wurden 125 Vor-Ort-Kontrollen durchgeführt und 35 Laborproben auf knapp 500 Inhaltsstoffe geprüft. Die Kriterien für das Ländle Gütesiegel sind öffentlich einsehbar und transparent für die Kundinnen und Kunden. Produkte mit dem Ländle Gütesiegel stehen damit nicht nur für regionale Herkunft, sondern auch für kontrollierte Qualität und höchsten Genuss – eben echte Ländle Produkte.“

Veröffentlicht am: 27.08.2019