Kurt Mitterlehner liebt seine Schafe.

Schafe als Lebensinhalt

Trotz seiner 78 Jahre führt Kurt Mitterlehner seine Schafherde jeden Sommer auf die steil gelegene Alp. Für seine vorbildliche Stall- und Alphaltung bekam er 2016 den „Vorarlberger Tierschutzpreis der Vorarlberger Nachrichten in Kooperation mit dem Ökoland Vorarlberg“ überreicht.

„Die Tiere sind mein Lebensinhalt“, spricht es Kurt Mitterlehner gerade heraus. Wer den 78-Jährigen sieht, spürt, dass der in Wald am Arlberg lebende Pensionist eng mit seinen Schafen verbunden ist. Die Herde von rund 90 Wollträgern hält ihn sichtlich jung. Die Tiere bekommen seine ganze Aufmerksamkeit. Im Sommer scheut er trotz seines hohen Alters die steilen Aufstiege und teils sehr schmalen Pfade nicht, um seine Schafe auf die Glong-Alpe, vis-à-vis des Sonnenkopfs, zu führen. Stete Begleiterin ist Border-Collie Esche. Die elfjährige Hündin hat alles voll im Griff. Rund 800 Höhenmeter müssen dabei bewältigt werden. „Die Alphaltung ist eine natürliche und ertragreiche Form der Bewirtschaftung unserer Flächen“, weiß der Experte. Insbesondere die Magerweiden auf der Alp profitieren davon.

Schafe sind sehr zufrieden

Mittlerweile ist es 33 Jahre her, dass der vierfache Vater und Opa begann, sich mit Schafen zu beschäftigen. Er war damit ein absoluter Pionier im Lande. Was ihn an den sanften Tieren so fasziniert? „Sie sind sehr zufrieden und auch sehr aufmerksam. Sie hören genau, wenn ich komme“, spricht Mitterlehner von seinen „Putzelen“, als er den Stall betritt. In der Region nennen ihn einige sogar „Schafpapst“.  Eine Bezeichnung, die ihn ein wenig verlegen macht und von der er nicht will, dass man sie an die große Glocke hängt.

Dass auch Nutztiere gut behandelt werden, war für den gelernten Metzger von jeher eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn den meisten der Lämmer, die seine Mutterschafe gebären, die Schlachtbank nicht erspart bleibt, versucht er dennoch, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Rund 150 Lämmer, die nach den Richtlinien des Ländle Gütesiegels gehalten werden, werden über Spar vermarktet. Die Tiere werden auf ihrem letzten Weg beispielsweise einzeln vom Stall in den Hänger getragen, der wiederum mit Stroh ausgekleidet wird. Ihnen soll der Stress erspart bleiben. „Je besser man mit den Tieren umgeht, desto mehr wirkt sich das auch auf die Qualität des Fleisches aus“, ist Kurt Mitterlehner überzeugt.

Spezielle Kreuzungen

Damit er den höchsten Ansprüchen der Konsumenten gerecht wird, kreuzt der 78-Jährige Tiroler Bergschafe mit französischen Barégeoise und englischen Suffolks. Das sind spezielle Rassen, die das Tier „fleischiger“ machen. „Das Fleisch hat auch eine andere Struktur.“ Deshalb sei Lamm auch nicht gleich Lamm, betont er. Ein Anliegen ist es ihm, dass das ganze Tier verwendet wird und nicht nur ausgewählte Gustostücke. „Alles ist eine Delikatesse.“ Da spricht auch der Koch aus ihm heraus. Zwanzig Jahre lang war Mitterlehner in der Kristberger Knappenstube tätig.

Jetzt, wo er seit vielen Jahren in Pension ist, kann er den Lebensabend mit seinen Schafen voll genießen. „Ohne Tiere zu sein – das könnte ich mir einfach nicht vorstellen“, sagt er wieder. Und ja: ein wenig stolz ist er dann doch auf den Tierschutzpreis, den er vergangenen Oktober vom Land Vorarlberg überreicht bekommen hat. Zumal er sich dafür nicht einmal beworben hatte.

Veröffentlicht am: 15.03.2017