Im Sommer lockt die Alpe

Etwa 1.000 Älper/-innen ziehen über den Sommer mit dem Vieh auf die 520 Alpen im Ländle. Luag sprach mit Christoph Freuis, Geschäftsführer des Alpwirtschaftsvereines, über das richtige Verhalten mit Tier und Natur.

Lieber Christoph, du bist seit 2014 Geschäftsführer des Vorarlberger Alpwirtschaftsvereins. Was bedeutet für dich eine funktionierende Alpwirtschaft?
CF: Die Alpwirtschaft ist für mich ein hohes Kulturgut – ein artenreicher Lebensraum, der naturnahe bewirtschaftet wird. Das trägt für mich zur Identität Vorarlbergs bei.

Wie sieht die Alpwirtschaft in Vorarlberg in Zahlen aus?
CF: Rund 1.050 km² sind Alpflächen (Anm. der Redaktion: Das sind fast 50 % der Vorarlberger Landesfläche!), davon wird die Hälfte alp-wirtschaftlich als Futterfläche und -grundlage für die Tiere genutzt. 40.000 Tiere, drei Viertel davon Rinder, verbringen den Sommer auf den Alpen in Vorarlberg.

Die Alpe ist Naherholungsgebiet und Wirtschaftsraum zugleich. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus?
CF: Immer mehr Leute nutzen diesen Raum. Hinzu kommt, dass sich die Art und Weise der Fortbewegung im alpinen Raum verändert hat, z. B. durch Mountainbikes, den Downhill-Trend oder Hunde als Weggefährten. Die Alpverantwortlichen bitten daher darum, die markierten Wanderwege zu benützen, Viehtränken nicht als Waschtröge oder Hundebadewannen zu nutzen und die Viehgatter zu schließen. Güterwege dienen in erster Linie der Bewirtschaftung von Wald und Alpe und sind daher freizuhalten.

Respekt und Kommunikation als Stichwort. Das Interesse am Gegenüber erhöht das gegenseitige Vertrauen und Verständnis. Was meinst du dazu?
CF: Miteinander reden und aufmerksam sein – darum geht es. Die aktuelle Aufklärungskampagne des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus zielt genau darauf ab. Bewusstsein soll für die Wirtschaft auf den Alpen geschaffen werden.

Welche Empfehlungen kannst du unseren Leserinnen und Lesern zum richtigen Verhalten im Alpgebiet geben?
CF: Werden bestimmte Verhaltensregeln eingehalten, steht einem guten Miteinander nichts im Wege. Bei mitgeführten Hunden beispielsweise gilt: Egal, ob groß oder klein – ein Hund wird von Weidetieren als Feind, als Wolf, angesehen. Dieser natürliche Instinkt ist vor allem bei Mutterkühen zum Schutz der Kleinen besonders ausgeprägt. Dabei ist wichtig, sich niemals schützend vor einen Hund zu stellen. Gegen ein ausgewachsenes Rind oder Pferd hat man keine Chance.

Was möchtest du als Geschäftsführer des Alpwirtschaftsvereines den Leserinnen und Lesern abschließend noch mitgeben?
CF: Wir freuen uns auf die Besucher/-innen auf unseren Alpen, besonders auch auf jene, die uns durch den Kauf von heimischen Alp-produkten unterstützen. Ich wünsche allen einen schönen und vor allem unfallfreien Alpsommer.

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Veröffentlicht am: 8.07.2019