Die Alp wurde mir in die Wiege gelegt“

Die Unterhirschbergalpe in Bizau wurde vor 15 Jahren neu gebaut.

Seit 2014 wird sie vom jungen Paar Katharina Fechtig (24) und Tobias Flatz (28) bewirtschaftet. Die beiden produzieren Käse und halten auch 25 Ländle Alpschweine.

 Dass Wasser ein kostbares Gut ist, sollte uns spätestens nach diesem heißen und trockenen Sommer bewusst sein. Die Trockenheit machte der Alpwirtschaft schwer zu schaffen. Auch Katharina Fechtig und Tobias Flatz schätzen das kühlende und lebenswichtige Nass. Aber nicht erst seit diesem Jahr, sondern seit sie das Alpleben näher kennen gelernt haben. Das war 2014. In diesem Jahr hat sich das junge Paar entschlossen, die Unterhirschbergalpe, die oberhalb von Schnepfau im Gemeindegebiet von Bizau liegt, zu pachten. Sie war damals gerade mal 20, er 24. Zwei Jahre später kam Sohn Jakob zur Welt.

„Wasser ist hier oben knapp. Seit die Quelle vor drei Jahren neu gefasst wurde, ist es zwar besser, aber dennoch haben wir gelernt, äußerst sparsam damit umzugehen.“ Der diesjährige Sommer bestätigt dies. „Das Vieh wird zuerst getränkt, dann kommt die Sennerei und erst am Schluss der Mensch“, nennen beide den Kreislauf, den das Wasser auf 1.385 Meter Seehöhe nimmt.

Erinnerung an eigene Kindheit

Überhaupt spielt die Natur in der herrlichen Bergwelt des Bregenzerwaldes eine Hauptrolle im Leben der jungen Familie. Nichts stört die idyllische Ruhe in dem von der mächtigen Kanisfluh geprägten Panorama. Manchmal kommen ein paar Wanderer vorbei und versorgen sich mit Käse, den es hier gibt. Ein wenig Zeit zum Genießen und Durchatmen für die Vorbeiziehenden. In solchen Augenblicken wird die Herrlichkeit der Natur in allen Facetten sichtbar. Da nun ihr Sohn in dieser Harmonie aufwächst, erinnert das Tobias Flatz an seine eigene Kindheit: „Die Alp wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt.“ Die Unbeschwertheit des eigenes Kindseins darf nun die nächste Generation erleben.

Alpschwein mit Ländle Gütesiegel

Der kleine Jakob kennt jedenfalls keine Berührungsängste. Gemeinsam mit Pfister Mathias treibt er die Alpschweine aus dem Stall. 25 sind es an der Zahl, die mit Molke gefüttert werden, welche bei der Käseerzeugung anfällt. Zu fressen gibt es auch Getreide. Die Borstentiere werden bereits als Ferkel auf die Alp gebracht und können ihr Leben unter völlig natürlichen Bedingungen mit ihren Artgenossen verbringen.

Die Sennalpen sind aus alter Tradition die Heimat des Ländle Alpschweins. Rund 70 bis 120 Tage verbringen sie hier oben, bis sie schlachtreif sind. Während des Alpsommers legen sie – auf gesunde und natürliche Weise – zwischen 80 und 100 Kilogramm an Gewicht zu.

Um halb fünf Tagwache

Für Katharina und Tobias gilt es des Weiteren, 40 Kühe zu versorgen, sowie sieben Kälber, zwei Esel, ein Pferd, ein Pony und noch ein paar Kleintiere. Um halb fünf Uhr früh steht für die beiden die Tagwache an. Der Stall muss gemistet und die Kühe gemolken werden. Knapp zwei Stunden später gehen in der Sennerei die Lichter an. Zwischendurch bleibt noch Zeit fürs Frühstück. Rund 4,5 Tonnen Käse werden in den Sommermonaten produziert. Hinzu kommen noch Butter und Joghurt. „Zwei Drittel verkaufen wir selbst, ein Drittel an die Firma Rupp.“

Älpler und Landwirte aus Leidenschaft

Leben können die beiden Wälder von dem, was sie auf der Alp produzieren, nicht. „Es geht in erster Linie um die Leidenschaft und um das Zusammenleben mit der Familie.“ Hier oben hat alles eine ganz andere Lebensqualität. Seit der Geburt des Sohnes hat sich Letzteres noch viel mehr ausgeprägt. „Er ist nun bereits schon das dritte Jahr auf der Alp“, sagt Katharina Fechtig mit einem Strahlen im Gesicht. „Das erste Mal war er noch in meinem Bauch“, ergänzt sie.

Auch in ihrem eigentlichen Zuhause, das in Alberschwende liegt, betreiben sie eine extensive Landwirtschaft. Sie halten sieben eigene Kühe, haben rund 250 Obstbäume und betreiben auch eine Christbaumkultur.

Ein ausgezeichnetes Sennerpaar

Tobias Flatz ist zudem noch beim Maschinenring beschäftigt und Katharina arbeitet im Käslädele von Rupp. Beide sind gelernte Senner. Dass sie ihr Handwerk verstehen, unterstreichen die zahlreichen Prämierungen, die sie für ihren Käse bereits erhalten haben. Vielleicht ist ihr Käse aber auch etwas Besonderes, weil auf ihrer Alp die 26 „Original Braunvieh“-Kühe Hörner tragen? Katharina Fechtig schmunzelt und meint dazu: „Das wäre zu weit hergeholt. Aber es gibt Vermutungen, dass an Laktoseintoleranz leidende Menschen die Milch von Kühen mit Hörnern eventuell besser vertragen.“

www.laendle.at/alpschwein

Veröffentlicht am: 5.10.2018