Dr. Thomas Jutz

„Wir haben die Situation für die Bauern verbessert“

Die Ländle Vieh Vermarktung eGen versucht für die Bauern eine faire Abgeltung für ihre Tiere zu erzielen. Was dahinter steht, welche Aufgaben die Genossenschaft hat und wer die Anteilseigner sind, erklärt Geschäftsführer Dr. Thomas Jutz im Interview:

Was sind die Aufgaben der Ländle Vieh Vermarktung?

Wir verfolgen das Ziel, die Tiere der Vorarlberger Landwirte zum bestmöglichen Preis zu vermarkten.

Wieviel ist ein Schlachttier wert?

Im Fleischbereich sind bestimmte Fleischqualitäten definiert und werden durch einen Klassifizierungsdienst im Schlachthof geprüft. Unterschieden wird in diversen Qualitäten. Bei der Rindfleischklassifizierung wird die Tierkategorie (V, Z, A, B, C, D, E, also Alter, Geschlecht und Kastration), die Fleischigkeit (hier geht es um Muskelfülle, SEUROP) und die Fettklasse (1 bis 5 Klassen, bewertet wird wie sehr der Schlachtkörper mit Fett abgedeckt ist) analysiert und das Fleisch in Handelsklassen eingeteilt. Bei der Klassifizierung von Schweinefleisch wird nach dem Muskelfleischanteil des Schlachtkörpergewichts in Prozent gewertet (SEUROP: S = 60 und mehr, E = 55 und mehr, jedoch weniger als 60, U = 50 und mehr, jedoch weniger als 55, R = 45 und mehr, jedoch weniger als 50, O = 40 und mehr, jedoch weniger als 45, P = weniger als 40).

Wer ist Anteilseigner der Ländle Vieh Vermarktung eGen?

29 Prozent der Anteile gehören der Alpenkäse Bregenzerwald Sennerei eGen (ehemals Alma), weitere 29 Prozent dem Raiffeisen Verband, 19 Prozent hält der Braunviehzuchtverband,
19 Prozent die Landwirtschaftskammer und vier Prozent verteilen sich auf diverse Viehzuchtvereine und verschiedene Landwirte.

Welchen Vorteil bringt es dem Bauern, wenn er über die Ländle Vieh Vermarktung verkauft? Ist der Weg über einen Zwischenhändler nicht der teurere?

Wir versuchen eine qualitätsbezogene Bezahlung zu erzielen und so gegenüber Mitbewerbern einen höheren Preis zu erwirtschaften. Wichtig ist uns dabei die Transparenz, welchen Preis die Abnehmer bezahlen und welche Höhe die Provision hat. Wir arbeiten ja auf Provisionsbasis.

Der neue Schlachthofbetreiber Anton Fetz plädiert für ein Gesetz, dass man Schlachtvieh zwingend zum nächstgelegenen Schlachthof bringen muss. Wie denken Sie darüber und wäre das in der Praxis realisierbar?

Das wäre ein Eingriff in die freie Marktwirtschaft, aber wir wären durchaus einverstanden, vorausgesetzt, dass es für alle gilt. Also auch für unsere Mitbewerber. Wir agieren als Unternehmen und müssen uns daher am freien Markt behaupten. 2016 wurden lediglich 2,8 Prozent nach Deutschland veräußert. Das waren 79 Rinder. Insgesamt haben wir aber rund 1.500 Schlachttiere vermarktet.

Ist die Preisdifferenz so hoch, dass es bei einem Anteil von 2,8 Prozent eine Rolle spielt?

Im Vordergrund steht auch, einen Abnehmer zu finden. Kommt auf unsere Anfrage von den Vorarlberger Abnehmern die Antwort: „Wir sind diese Woche schon voll“ oder „Diese Qualität ist nicht gefragt“, suchen wir einen Käufer außerhalb Vorarlbergs. Dabei kommt auch das Kaufverhalten der Konsumenten ins Spiel. Denn die mögen vor allem Filet, Brust und andere Gustostückerl. Kein Wunder, dass die Hotellerie Unmengen von Schnitzelfleisch ordert, denn das wird von den Gästen verlangt und verzehrt. Wer will ihnen das verübeln, die denken eben auch wirtschaftlich.

Doch es geht nicht nur um den Fleischkonsum: Die Milchwirtschaft ist das wirtschaftlich zentrale Element der Vorarlberger Landwirtschaft. Doch erst wenn eine Kuh ein Kalb geboren hat, erzeugt sie Milch. In Vorarlberg kommen deshalb jährlich rund 20.000 Kälber zur Welt, davon 10.000 Stierkälber. Einen hohen Anteil daran haben qualitativ hochwertige Gebrauchskreuzungskälber. Diese können am heimischen Markt nicht immer abgesetzt werden. Die Nachfrage am Vorarlberger Markt nach diesen Kälbern ist gering. Ihre Mast ist in den allermeisten Fällen unrentabel. Auch in diesen Fällen müssen oft Abnehmer außerhalb Vorarlbergs gefunden werden. Auch wenn dies gerne kritisiert wird – die Realität am Markt macht es uns nicht immer leicht.

Widerspricht das nicht der Ökolandstrategie, dass Vorarlberg das Tierschutzland Nr. 1 sein möchte?

Unsere zentrale Aufgabe ist die bestmögliche Vermarktung der Tiere. Damit ist es uns gelungen, die Situation der Bauern zu verbessern – auch das ist gut für das Tierwohl.

Veröffentlicht am: 11.12.2017