Der hohe Preis von Billigfleisch

Ein Kilo Schnitzel vom Schwein im Angebot um EUR 4,99 oder weniger. Rabatte zerstören die Wertigkeit von Fleisch. Unterstützen Konsumenten den Griff zu Sonderangeboten und Billigfleisch oder schaffen sie gemeinsam mit Handel und Landwirten einen Ausweg aus dem Preisdilemma?

Fleisch ist so billig wie noch nie. Im Laufe der Zeit hat sich Fleisch vom Sonntagsbraten hin zum Grundnahrungsmittel entwickelt. Doch was verbirgt sich hinter dem Lebensmittel Fleisch? Die Gewinnmargen liegen quer durch die Branche im einstelligen Prozentbereich. Bauern,  Schlachter und Fleischer  stöhnen unter dem Preisdruck. Die Rentabilität lässt im Massengeschäft zu wünschen übrig. Das geht auf Kosten der Tiere und der Umwelt.

Folgen von Billigfleisch
Fleischproduktion ist ein Geschäft geworden, da bleibt kaum Platz für Landwirtschaftsidylle. Die Massentierhaltung mit all ihren Defiziten wird zum Nährboden für alle möglichen Skandale, wir erinnern uns an die Rinderseuche BSE, den Gammelfleisch-Skandal, Dioxin in Schweinefleisch, an den Pferdefleisch-Skandal und die gängigen Antibiotika-Skandale. Niedrige Preise sind besonders für Mäster und Züchter ein Problem. Gewinnmargen richten sich stark nach Tierfutterpreisen, die wiederum sind stark von den Weltmarktpreisen abhängig. Rentabilitäten bewegen sich im einstelligen Prozentbereich, wenn nicht sogar Verlustbereich. Ohne staatliche Subventionen wären viele Existenzen akut gefährdet. Leider werden mit Subventionen in der EU und den USA Massentierhaltungsbetriebe unterstützt. Der Druck zur Industrialisierung und Spezialisierung geht mit dem Kostendruck einher. Betriebe brauchen am Markt gewisse Größen um im Vollerwerb überleben zu können. Kleinbetriebe können dem Wettbewerbsdruck kaum standhalten und müssen vermehrt schließen.

Aber nicht nur die Leistung der Betriebe, auch die der Tiere muss gesteigert werden. Durch spezielle Züchtungen wird versucht die Mastzeiten künstlich zu verkürzen, um immer noch effizienter zu werden. Dabei kommen viele der Tiere an ihre biologischen Grenzen, beispielsweise werden durch die schnelle Gewichtszunahme Gelenke und Knochen überlastet. Das schränkt die Tiere in ihren Bewegungsmöglichkeiten stark ein und fördert Krankheiten.

Ländle Mehrwert honorieren
„In Vorarlberg haben wir im nationalen und internationalen Vergleich verhältnismäßig klein strukturierte Betriebe. Diese Betriebe können dem Wettbewerbsdruck ohne Subventionen und Unterstützung durch Regionalvermarktung nicht standhalten. Speziell in der Fleischproduktion gibt es kaum Landwirte die in das Geschäft neu einsteigen wollen. Die bestehenden scheuen sich vor Vergrößerungen und viele der Betriebe haben in den letzten Jahren schließen müssen“, so Manuel Gohm, GF der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH, zentrale Zertifizierungs- und Vermarktungsstelle für Agrarprodukte aus Vorarlberg. „Noch werden im Ländle Produkte von hohem Wert produziert. Jenseits von Massentierhaltung, mit gentechnikfreien Futtermitteln, frei von Antibiotika-Skandalen und mit Fokus auf das Tierwohl. Doch diese Lebensmittel brauchen faire, stabile Preise. Hier ist eine starke Partnerschaft zwischen Landwirten und Handel gefragt. Und natürlich Konsumenten, die bereit sind, diesen Mehrwert zu honorieren“, argumentiert Gohm die mitunter höheren Preise von Ländle Produkten im Vergleich zu Konkurrenzprodukten.

Es geht auch anders
Teilnehmende Betriebe des Ländle Metzg Programms haben sich gemeinsam mit Schweinemästern im Land zusammen getan und das Ländle Metzg Schwein Programm etabliert. Respekt vor dem Tier und das Wohl der Tiere stehen hier neben der Fleischqualität im Fokus. „Speziell unser Nachbar Deutschland hat sich zum Exportland von Billigfleisch entwickelt. Deutsche Betriebe haben ganz andere Dimensionen bei der Anzahl von gehaltenen Tieren. Die Lohnkosten und Betriebskosten sind geringer als in Vorarlberg. Die Standards betreffend Gentechnik, Antibiotika und Tierhaltung sind ganz andere als bei uns im Ländle. Viele unserer Mitbewerber im Land greifen vermehrt auf die günstigere Ware aus dem Ausland zurück. Wir Ländle Metzger versuchen dennoch dem Wettbewerbsdruck stand zu halten und die Ländle Bauern zu unterstützen. So auch im Rahmen des Ländle Metzg Schwein Programms. Hier zahlen wir 35 Cent pro Kilo über dem österreichischen Börsenpreis, das sind im Schnitt 20 Prozent mehr, als der Landwirt sonst im Land bekommt. Den höheren Verkaufspreis argumentieren wir unseren Kunden gegenüber mit dem Mehrwert in Form von Gentechnikfreiheit und Haltungsbedingungen“, betont Christof Klopfer, zertifizierter Ländle Metzger aus Lauterach, den Beitrag der Ländle Metzger zur regionalen Wertschöpfung.

Andreas Hartmann produziert nach den Richtlinien des Ländle Herkunfts- und Gütesiegels Schweinefleisch für die Ländle Metzger: „In diesem Programm erhalten die Landwirte für ihre Arbeit einen fairen Abnahmepreis und können den Anforderungen einer tiergerechten Haltung nachkommen. Generell ist die Fleisch-Produktion in Vorarlberg eher rückläufig. Mit 300 Schweinen im Stall gehöre ich zu den Kleinstproduzenten in Europa. Meine Schweine genießen geräumige Stallungen mit Einstreu und Auslauf, gentechnifreie Fütterung und Antibiotikaeinsatz ist bei mir bis dato nicht notwendig gewesen. Präventiv ist Antibiotika für mich sowieso kein Thema.“

Sonderangebote meiden
Die Fleischpreise des Handels orientieren sich zum einen an den internationalen, europäischen und österreichischen Börsenpreisen. Zum anderen orientiert sich der Handel an den Mitbewerbern und natürlich an den Kunden. Es geht um Marktanteile, Verdrängungswettbewerb, alle auf der Jagd nach Kunden. Der Lebensmitteleinzelhandel aber auch Großhandel, vom Discounter bis hin zum Supermarkt, alle setzen sich gegenseitig mit Aktionen unter Druck; sobald ein Mitbewerber eine Aktion hat, ziehen die anderen nach.

Der Kauf von marktbedingten Lockangeboten kann die Preisspirale für alle Beteiligten weiter nach unten ankurbeln. Das Verschmähen solcher Angebote hingegen könnte die Grundlage für einen fairen Fleischpreis und somit tierfreundliche Haltungsbedingungen mit Mehrwert schaffen.

Veröffentlicht am: 5.02.2016