Hirten mit ihren Milchkühen auf der Alpe Erles Finne in Vorarlberg

Das liebe Milchvieh im Ländle

Hintergründe zur Milchproduktion

Vorarlberg ist ein typisches Grasland. Niederschlagsbedingt bringt Ackerbau hierzulande nicht die größten Erträge. Für die Viehhaltung ist Grasland jedoch ideal. Ca. 1.200 Betriebe halten im Schnitt 20 Milchkühe plus Jungvieh.

Eine Milchkuh in Vorarlberg gibt durchschnittlich ca. 7.280 Liter Milch im Jahr. Ca. zwei Monate im Jahr gibt sie keine Milch – bevor sie ein Kalb auf die Welt bringt, wird sie „trocken gestellt“, wie es in der Fachsprache heißt. Zweimal am Tag wird gemolken, das ist auch der Grund, warum Milchviehhaltung so arbeitsintensiv für die Landwirte ist. In den vergangenen Jahrzehnten nahm die Anzahl der Betriebe ab, die Anzahl der Kühe blieb in etwa gleich, aber die Produktionsmenge stieg – sprich die Milchleistung pro Kuh.

Milchleistung – alles was zählt?

Die Kuh ist in erster Linie ein Nutztier. Nichts desto trotz kennt jede Bäuerin und jeder Bauer auf Grund der kleinen Betriebsgrößen seine Kühe hier noch beim Namen. Natürlich ist man besonders stolz auf jene Kühe, die eine gute Milchleistung erzielen, was von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Speziell die Auswahl der Rasse hat einen wesentlichen Einfluss. Die am weitesten verbreitete Rasse in Vorarlberg ist mit 57 Prozent das milchbetonte Braunvieh, auch Brown Suisse genannt. Ca. 19 Prozent der in Vorarlberg gehaltenen Kühe sind Holstein Friesian. Holstein gilt als Weltmilchrasse. Diese ist schon länger auf Milch gezüchtet und daher leistungsbetonter und leistungssicherer. Generell verfolgen die Zuchtverbände in Vorarlberg das Ziel, gesunde, fruchtbare Tiere mit hoher Milchleistung zu züchten. Nur ein gesundes, fruchtbares Tier bringt auch gute Leistungen. Deswegen ist Milchleistung eben nicht alles was zählt.

„Milchleistung ist nicht alles was zählt. Nur gesunde und fruchtbare Tiere bringen auch gute Leistungen.“
Dr. Thomas C. Jutz, Fachbereichsleiter für Tierhaltung, Tierzucht Landwirtschaftskammer Vorarlberg

Optimale Futterversorgung

Die Futterversorgung hängt zum Teil von der Rasse ab. Aber auch vom Erhaltungsbedarf – das ist jener Bedarf an Nährstoffen, der zum Leben benötigt wird. Dieser Bedarf ist abhängig vom Tiergewicht. Zusätzlich werden Nährstoffe für die Leistung (Milchleistung bei Milchkühen, Fleischzuwachs bei Masttieren, Bewegung) benötigt.

Wie viel Nährstoffe das Tier über das Futter aufnimmt, hängt von mehreren Gegebenheiten ab, wie beispielsweise vom Nährstoffgehalt des Futtermittels, der Verdaulichkeit des Futtermittels, der Zusammensetzung einzelner Futterkomponenten, der genetischen Veranlagung des Tieres und wie abwechslungsreich der Speiseplan zu den verschiedenen Jahreszeiten ist.

„Die Fütterung ist abhängig von Rasse, Erhaltungsbedarf und Leistung. Aber auch von der Produktionsart.“
Ing. Christian Meusburger, Fütterungsberatung Landwirtschaftskammer Vorarlberg

Eine Kuh kann täglich zwischen zehn und 25 Kilogramm Trockenmasse (Futter ohne Wassergehalt) an Futter fressen. Die geringste Futteraufnahme findet zum Zeitpunkt des Abkalbens statt. Die größte Menge an Futter vertilgt die Kuh ca. 60 bis 100 Tage nach dem Abkalben.

Je nachdem ob Heumilch oder Silomilch in konventioneller oder Bio-Haltung produziert wird, gibt es Vorschriften, wie hoch der Anteil von Ergänzungsfutter an der Jahresration Trockenmasse sein darf. Zwischen 70 und 85 Prozent schwankt der Anteil an Grund- bzw. Raufuttermittel. Zu diesem Futter gehören Gras und Heu für alle Milcharten. Bei Silomilch darf zudem Gras-/Maissilage (Konservierung von Gras oder Silomais durch den Silierprozess) verwendet werden.

Zum Ergänzungsfutter, auch Kraftfutter genannt, gehören Vollgetreide wie Gerste, Weizen, Mais und Nebenprodukte der Getreideverarbeitung und Lebensmittelerzeugung (z. B. Kleie aus Mehlproduktion, Trockenschnitzel aus Zuckerproduktion).

Neben Salz wird Kühen auch Mineralfutter angeboten. Im Mineralfutter sind die wichigsten Spuren- und Mengenelemente sowie Vitamine enthalten. Je nach Wassergehalt im Futter nimmt eine Milchkuh zudem pro Tag zwischen 60 und 140 Liter Wasser zu sich.

Was macht ein Fütterungsberater?

Der Fütterungsberater hilft dem Landwirt dabei, die Fütterung seiner Milchkühe im Bezug auf Tiergesundheit, Leistung und Milchqualität zu optimieren. Grundfutteranalysen geben Aufschluss über die Qualität des eigenen Futters. Ziel ist es, so viel Milch wie möglich aus dem Grundfutter (Gras, Heu, Gras- und Maissilagen) zu erzeugen, Ungleichgewicht in der Nährstoffversorgung gezielt auszugleichen und fehlende Nährstoffe zu ergänzen.

Sommer auf der Alp

Wie funktioniert die Verdauung einer Kuh?

Den Hauptteil ihres Lebens verbringen Rinder mit Fressen. Gleich vier Mägen wollen beschäftigt werden – das nimmt Zeit in Anspruch. Mit ihrer Zunge umschlingen sie das Gras, rupfen es ab und schlucken es hinunter. Zum Kauen bleibt aber vorerst keine Zeit.

Der Pansen, der erste Magen kann bei einem erwachsenen Rind ca. 60 Kilogramm Futter aufnehmen. Milliarden Bakterien und Einzeller beginnen sofort mit der Verdauung. Durch diese Fermentation werden Gase, Kohlendioxid und Methan produziert. Methanausstöße können durch eine ausgewogene Fütterung (ausgeglichene Energie-Eiweiß-Balance) minimiert werden. Stellt sich ein Sättigungsgefühl ein, geht’s meist im Liegen weiter.

Der Nahrungsbrei wird zwischen Pansen und Netzmagen hin- und hergeschoben, solange bis alles zerkleinert ist. Der Netzmagen sortiert zu große Stücke aus und schickt sie zur Nachbearbeitung in das Maul zurück zum Wiederkäuen. Sind die Bestandteile klein genug, kommen sie in den Blättermagen, wo sie von den dort ansässigen Mikroorganismen zu einem Brei eingedickt werden. Sobald im Pansen wieder Platz frei wird, steht die Kuh wieder auf um weiter zu fressen. Der Futterbrei kommt zwischenzeitlich in den Labmagen. Durch körpereigene Enzyme werden Eiweiß und Fett entzogen und verwertet.

Der Rest verlässt über den Darm nach zwei Tagen in Form von Fladen den Organismus. Dieses aufwendige Verdauungssystem lässt Rinder viel mehr aus ihrer schwerverdaulichen Kost herausholen als Geflügel und Schweine.

Milch aus Vorarlberg

Gibt eine Kuh immer gleich viel Milch?

Milchkühe geben nicht das ganze Jahr über gleich viel Milch. Am meisten geben sie, nachdem sie ein Kalb geboren haben. Zwischen März und Mai fließt für gewöhnlich die meiste Milch. Circa 40 Prozent der Kühe in Vorarlberg verbringen den Sommer mit dem Jungvieh auf den Alpen. Auf der Alpe hat die Kuh einen höheren Energieverbrauch, da sie viel Bewegung hat, dadurch fließt weniger Energie in die Milchleistung. Im Herbst kehrt sie ins Tal zurück und bekommt zwischen Oktober und Januar ihr Kalb.

Der Stall der Alpe Brongen von innen

Laufstall oder Anbindestall?

Der Anbindestall hat Tradition. Der Laufstall ist ein moderner Trend in der Milchviehhaltung. Per se ist ein Anbindestall nicht schlecht, sofern die Kühe genügend Auslauf haben. Bei dieser Variante werden sie abends neben Artgenossinnen im Stall platziert, die ihnen sympathisch sind. Im Laufstall haben sie zwar mehr Platz und Bewegungsfreiheit – für rangniedrigere Tiere müssen jedoch genügend Ausweichmöglichkeiten geschaffen werden, da diese Art von Stall ansonsten zur Stressgefahr werden kann.

Veröffentlicht am: 31.05.2016