Ist Gentechnik gefährlich?

Die Öffentlichkeit hält Gentechnik für eine exakte Wissenschaft. Doch Gentechnik hat völlig unbekannte Nebenwirkungen. Viele wissenschaftliche Experten warnen davor. Langzeitstudien fehlen. Im Prinzip befinden wir uns inmitten einer Studie – Mensch und Tier fungieren als Versuchskaninchen der Agrogentechnik.

Unterschieden wird zwischen roter, weißer und grüner Gentechnik. Rote Gentechnik findet ihren Einsatz in der Medizin. Weiße Gentechnik stellt Enzyme, Zellen und Mikroorganismen in den Mittelpunkt. Diese werden gentechnisch optimiert, sodass sie hoch spezialisiert sind und hohe Erträge der gewünschten Produkte bringen. Beispielsweise funktioniert damit die Herstellung von Enzymen, Nahrungsergänzungsmitteln, Hormonen, Waschmittelbestandteilen, Bioethanol etc. Grüne Gentechnik betrifft die Landwirtschaft und den Lebensmittelbereich. Biochemiker züchten neue Pflanzensorten, die besonders resistent gegen Pestizide sein sollen.

Seit 1996 werden Produkte der grünen Gentechnik kommerziell angebaut. Weltweit fand 2013 der Anbau in 27 Ländern mit 18 Millionen Landwirten auf 175 Millionen Hektar statt. Das sind zwölf Prozent des weltweit nutzbaren Ackerlandes. Die bedeutendsten Anbauländer sind die USA, Brasilien, Argentinien, Indien und Kanada.

Argumente für grüne Gentechnik

Die Argumente der Agrogentechnikkonzerne und deren Lobbyisten orientieren sich in der Bewerbung an emotionalen und selbstlosen Zielen. Beispielsweise könne Gentechnik helfen, den Welthunger zu besiegen. In einer globalisierten Welt mit knappen natürlichen Ressourcen und einer wachsenden Nachfrage, sei es die Verantwortung jedes Landes, die Produktivität der Landwirtschaft durch neue Züchtungsmethoden, sprich Gentechnik, zu steigern. Eine Produktionssteigerung zur Hungerbekämpfung sei unumgänglich.

Neben der Hungerbekämpfung soll Gentechnik auch die Umwelt schonen. Mit Pflanzen, die sich selbst gegen Schädlinge wehren. Arbeit, Pestizide und Sprit soll dabei zu sparen sein. Gute Verkaufs-argumente für das teure Gentech-Saatgut. Geringere Risiken und höhere Erträge werden den Landwirten versprochen. Selbst erstellte Studien bestätigen Produktivitätssteigerungen, angeblich auch in Ländern, die inzwischen ganz andere Erfahrungen mit Gentechnik im Anbau gemacht haben, wie zum Beispiel Indien. Doch wie gut funktioniert Gentechnik denn nun wirklich in der Praxis?

Herbizidresistenz durch Gentechnik

Durch Übertragung von Genen, wie beispielsweise aus dem Bodenbakterium Agrobacterium tumefaciens, konnten Nutzpflanzen erzeugt werden, die eine Resistenz gegenüber dem Herbizid Glyphosat (z.B. Roundup) besitzen und großzügig mit Glyphosat behandelt werden können, um das Unkraut abzutöten, die Nutzpflanzen selbst jedoch überleben. Insbesondere Mais, Raps, Soja, Baumwolle, Luzerne und Zuckerrüben wurden mit dieser Resistenz ausgestattet. Weitere Genübertragungen gegen Glufosinat (z.B. Liberty, Basta) wurden ebenfalls durchgeführt.

Durch den häufigen Einsatz von Glyphosat weltweit, ist zu beobachten, dass natürliche Unkräuter ebenfalls eine Resistenz gegen diese Herbizide entwickeln. Ganz ohne Gentechnik. Somit geht die selektive Wirkung des Herbizids drastisch verloren.

Insektenbekämpfung durch Gentechnik

Bt-Toxine aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis werden als Präparate auch im biologischen Pflanzenschutz oder zur Bekämpfung von Stechmücken eingesetzt. Durch die Übertragung der entsprechenden Gene des Bt-Bakteriums können Pflanzen eigenständig Gifte gegen bestimmte Schädlinge erzeugen. Aber auch hier entwickelt sich bei Schädlingen mit der Zeit eine Resistenz und die Wissenschaft muss neue Ansätze suchen.

Laufend forschen Gentech-Wissenschaftler auch nach Möglichkeiten Pflanzen resistent gegen Viren, Bakterien und Pilze zu machen. Auch trockentolerante Nutzpflanzen sollen entwickelt werden, damit Ernteausfälle durch unzureichende Wasserversorgung wegen klimatischer Veränderungen oder Trockenperioden vermieden werden. Da Trockentoleranz durch viele Gene kontrolliert wird, ist klassische Züchtung eine brauchbare Alternative und beispielsweise bei Reis und anderen Kulturpflanzen auch sehr erfolgreich. Salz- und aluminiumtolerante Pflanzen sowie die Erhöhung von Protein- oder Aminosäuren- und Vitamingehalten in Pflanzen sind ebenfalls Bestandteile der transgenen Arbeit.

Wie kommen fremde Gene in die Pflanzen?

Standardmäßig nehmen Wissenschaftler eine Art „Taxi“, meist ein Virus oder ein Bakterium, welches mit dem neuen Gen ausgestattet wird und dann die betreffenden Pflanzenzellen infiziert. Wenn es in die Pflanzenzellen eindringt, kann das neue Gen übertragen werden. Haben die Pflanzenzellen das neue Gen aufgenommen, werden sie im Labor zu vollständigen Pflanzen heran gezogen.

Doch nicht jede Zelle nimmt die neuen Gene auf. Daher werden die Zellen nicht nur mit dem einzuschleusenden Gen infiziert, sondern auch mit Antibiotikaresistenz-Genen, sogenannten Marker-Genen. Danach werden zu dem Zellhaufen Antibiotika hinzugefügt, damit nur die neuen Zellen mit den gewünschten Eigenschaften weiter wachsen. Die Kritik daran: es sind schon sehr viele Bakterien gegen Antibiotika resistent, kommen zusätzliche Antibiotikaresistenz-Gene „in den Umlauf“, vergrößert sich dieses Problem zusätzlich.

Argumente gegen grüne Gentechnik

Das Argument der Hungerbekämpfung durch Gentechnik sehen die Gentech-Gegner nicht. So hat das aktuelle Hungerproblem aus ihrer Sicht Gründe wie Leistbarkeit, Spekulation, Korruption etc. Tatsächlich haben wir aktuell 1,5 mal mehr Nahrung auf dem Planeten, als die Menschheit braucht. Futtermittel für die Fleischproduktion und die Energieerzeugung mit Pflanzen beanspruchen Ackerflächen, die für den Anbau direkt konsumierbarer Nutzpflanzen verwendet werden könnten.

Auch wenn die Bevölkerung weiter ansteigt, Gentech-Kritiker sehen keine Lösung der Ernährungsprobleme in der Gentechnik, sondern viel mehr in unabhängigen, regionalen Kreisläufen in denen kleinstrukturierte Landwirtschaften ihr eigenes Saatgut vermehren können bzw. dürfen (vor allem in Entwicklungsländern) und vor Ort an die Bevölkerung verkaufen. Das schafft Arbeitsplätze und Ernährungssouveränität und kann mit den adäquaten Anbaumethoden ausreichend Menschen ernähren.

Kritiker sehen in der Gentechnik vielmehr eine Armutsfalle für Bauern, nicht nur in armen Ländern der Welt. Die Behauptung, dass herbizid-resistente Pflanzen den Verbrauch von Unkrautvernichtern reduzieren würden, gelte nur für die ersten Jahre, nach ein paar Jahren entwickelt sich eine Resistenz des Unkrauts gegen Glyphosat und danach werden mehr Herbizide benötigt als zuvor. Bestes Beispiel ist der Bt-Baumwoll Skandal in Indien, der mit dazu beitrug, dass tausende Bauern Selbstmord begingen. Die leeren Versprechungen der Agrargentechnikkonzerne lockten viele Bauern in Indien in die Schuldenfalle. Sie hatten in das teurere Saatgut und die Chemikalien investiert, doch die versprochenen höheren Erträge blieben aus.

Außerdem, so die Gentech-Kritiker, seien gezüchtete Sorten teilweise robuster als gentechnisch veränderte und passen sich auch besser dem Klimawandel an. Der Zukauf von Saatgut ist in jeder Hinsicht kritisch zu sehen. Die Saatgutbranche ist heute so konzentriert wie noch nie. Die drei größten Anbieter sind Monsanto, DuPont und Syngenta – sie dominieren über die Hälfte des Marktes. Ca. 90 Prozent des gentechnisch veränderten Saatguts von Soja, Mais, Baumwolle weisen von Monsanto patentierte Gene auf.

Zudem greife Gentechnik in die Ernährung ein, ohne dass sich Verbraucher dagegen wehren können und die Folgen seien nicht absehbar. Es werden Gene von Arten gemischt, die sich in der Natur niemals paaren würden. Der Gentransfer passiert über natürliche Artenschranken hinweg. Auf diese Weise werden jenseits der Evolution völlig neue Organismen geschaffen.

Einmal in die Natur freigesetzt, lassen sich gentechnisch veränderte Organismen nicht wieder zurückholen.

Ist Gentechnik gesundheitsschädlich?

Gentech-Gegner behaupten, das Immunsystem erkenne die Nahrung mit der neuen Genfrequenz nicht. So würde diese als Fremdkörper wahrgenommen und das Immunsystem kann zum Angriff übergehen. Es bekämpft diese Sequenz und daraus entstehen Entzündungen aller Art. Studien bestätigen eine signifikante Zunahme von Erkrankungen in den USA, die mit dem Verdauungstrakt zusammenhängen, seit der Zulassung von Gentechnik-Nahrungsmitteln 1996. Vor allem Nahrungsmittelallergien und Autoimmunerkrankungen nehmen zu – nicht nur in den USA, sondern überall wo Gentechnik mit der Nahrung aufgenommen wird. Langzeitstudien würden fehlen bzw. die Menschen befänden sich als unfreiwillige Versuchskaninchen mittendrin.

Veröffentlicht am: 21.03.2016