Kontrollierte Ländle Milch: gehalten, gefüttert, gemolken in Vorarlberg

Die Milch ist das Hauptprodukt der Vorarlberger Landwirtschaft. Die Kontrollen sind umfangreich und streng. Neben der Produkt- und Produktionsqualität wird auch die Herkunft überprüft.

Qualität steht an oberster Stelle. Die milchverarbeitenden Betriebe haben hohe Anforderungen an die milchproduzierenden Landwirte. Ihre Qualitätsrichtlinien richten sich nach den Anforderungen von Gesetzgeber, Handel und Konsument und gehen teilweise sogar darüber hinaus. Die 3G „gehalten, gefüttert, gemolken in Vorarlberg“ dienen als Herkunftsprinzip für Milch, die mit dem Ländle Gütesiegel gekennzeichnet ist.

3G-Prinzip definiert Wertschöpfungsanteil

Das Ländle Gütesiegel wird ausschließlich für Milch vergeben, welche nach dem 3G-Prinzip „gehalten, gefüttert, gemolken in Vorarlberg“ produziert wurde. „Das 3G-Prinzip vermittelt auf einfache Art und Weise, auch Branchenfremden, wann ein Produkt ein echtes Ländle Produkt ist. Dabei definieren die 3G die Wertschöpfungsschritte, die in Vorarlberg stattfinden müssen. Die Qualitätsrichtlinien beinhalten weitere Details, wie diese Schritte ausgeführt werden müssen“, erklärt Manuel Gohm, Geschäftsführer der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH, das leicht zu merkende Herkunftsprinzip.

„Die 3G – bei Milch sind dies gehalten, gefüttert, gemolken – definieren den Wertschöpfungsanteil, der in Vorarlberg stattfinden muss.“
Manuel Gohm, Geschäftsführer Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH

Ländle Gütesiegel steht für Gentechnikfreiheit

Es gilt zwar ein Anbauverbot für GVO in Österreich, doch gentechnikfrei ist Österreich nicht. Tiere dürfen mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert werden. Auf diese Weise landet Gentechnik indirekt und vom Verbraucher unbemerkt in Lebensmitteln. Eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht gibt es bis dato nicht.

Das Ländle Herkunfts- und Gütesiegel garantiert eine komplette Gentechnikfreiheit, auch in der Fütterung der Nutztiere. Alle mit dem Ländle Gütesiegel zertifizierten tierischen Produkte wie Eier, Fleisch und Milch, sind somit zur Gänze gentechnikfrei. „Landwirte, welche nach den Ländle Richtlinien Milch produzieren, kaufen ihr Futter bei zertifizierten Futtermittelherstellern, welche ausschließlich zertifizierte, gentechnikfreie Zutaten verarbeiten. Die damit zusammenhängenden Kontrollen und Zertifizierungen verteuern derartige Futtermittel natürlich. Gerade deshalb ist ein fairer Marktpreis für die produzierenden Landwirte enorm wichtig“, erläutert Othmar Bereuter, Qualitätsmanager des Ländle Gütesiegels.

„Fütterung ohne gentechnisch veränderte Pflanzen ist ein generelles Qualitätskriterium für das Ländle Gütesiegel.“
Othmar Bereuter, Qualitätsmanagement, Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH

Verpflichtende Kontrollen

Auf allen Stufen der Wertschöpfungskette werden lückenlos Kontrollen durchgeführt. Angefangen bei den Futtermittelwerken/Futtermittelhändlern über die Landwirte bis hin zu den Milchverarbeitern.

In einem Milchliefervertrag zwischen Landwirt und Sennerei bzw. Molkerei sind die Qualitätskriterien für die angelieferte Milch festgeschrieben. Kontrolliert werden die Milchbetriebe regelmäßig von unabhängigen, akkreditierten Kontrollstellen (agrovet, Lacon etc.). Diese Kontrollstellen werden von der Sennerei bzw. Molkerei beauftragt und kontrollieren die vertraglich eingebundenen Landwirte.

Kontrolliert wird die Gentechnikfreiheit der Futtermittel gemäß der Kodexrichtlinie des Bundesministeriums für Gesundheit und die AMA-Produktionsbestimmungen für die Haltung von Kühen der AMA-Marketing. In diesen Bestimmungen ist auch die Betriebshygiene (Futtermittel, Stall, Anlagen in Zusammenhang mit der Milchgewinnung), die Tierbewegungen/Tierhaltung/Tiergesundheit sowie die Dokumentation der eingesetzten Betriebsmittel festgehalten. Produziert ein Betrieb Heumilch, so wird auch nach den Kriterien im Heumilchregulativ überprüft.

Alle Milchbetriebe werden im Rahmen einer Betriebskontrolle, je nach Risikoeinschätzung, in einem Abstand von einem Jahr bis zu max. vier Jahren kontrolliert. Die Landwirte sind darüber hinaus Mitglieder beim Tiergesundheitsdienst (TGD). Hier wird anhand der Vorgaben des Bundestierschutzgesetzes in Form von Stichproben überprüft.

Bei Bio-Betrieben erfolgt eine jährliche Betriebskontrolle gemäß den Bio-Richtlinien (EU Bio-Richtlinien, Zusätze von Bio-Verbänden wie z. B. BIO AUSTRIA).

Standardkontrollen bei Milchverarbeitern

Um die Qualität der verarbeiteten Produkte zu gewährleisten, unterliegen die Verarbeitungsbetriebe ebenfalls einer externen Kontrolle. Hierbei werden Mengenflüsse, die einzelnen Verarbeitungsprozesse sowie die Endprodukte regelmäßig untersucht.

Milchlabor Partner bei Analysen

Basierend auf gesetzlichen Grundlagen wird die Milch, die vom Verarbeiter übernommen wird, monatlich auf unterschiedliche Qualitätsparameter untersucht. Es werden Proben aus der Lieferung gezogen und im akkreditierten Gebietslabor in Dornbirn auf Fett-, Eiweißgehalt, Hemmstoffe, Harnstoffe, Keimzahl sowie Zellzahl untersucht.

„Die Milchinhaltsstoffe sind Grundlage für die Preisfestlegung pro Liter Milch für den liefernden Landwirt. Der Harnstoffgehalt der Milch ist ein wichtiger Gradmesser für eine optimale Eiweißversorgung. Der Fettgehalt zeigt die Stoffwechselsituation und Rohfaserversorgung der Tiere an. Hemmstoffe zeigen Medikamenteneinsatz auf. Die Zellzahl gibt Auskunft über die Eutergesundheit und die Keimzahl definiert die Reinheit der Milch und gibt Aufschluss über die Hygienebedingungen“, erklärt Othmar Bereuter, Milchwirtschaftsreferent der Landwirtschaftskammer Vorarlberg und Geschäftsführer des Gebietslabors der Landwirtschaftskammer Vorarlberg, die komplexe Materie der Milchuntersuchungen.

„Vorarlberg war immer schon Vorreiter in Sachen Qualität im Milchbereich. Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Milch (Zusammenschluss der milchverarbeitenden Betriebe), hat ihren Ursprung im Ländle und wurde von mir im Jahre 2001 initiiert. Diese Arbeitsgemeinschaft befasst sich laufend mit allen Belangen der Milcherzeugung, Milchverarbeitung sowie der Milchmarktpolitik. Ziel ist die bestmöglichste Lebensmittelqualität und Sicherheit. Kaum ein anderer Lebensmittelbereich ist so gut kontrolliert, wie Milch und Milchprodukte“, fügt Othmar Bereuter hinzu.

Freiwillige Kontrollen

Zusätzlich zu den genannten verpflichtenden Kontrollen unterziehen sich die meisten heimischen Landwirte noch einer freiwilligen Kontrolle durch die Milchleistungskontrollstelle der Landwirtschaftskammer Vorarlberg, um die Qualität ihrer Milch und die Gesundheit ihrer Kühe zu optimieren. Bei monatlichen Proben wird die Milch von jeder einzelnen Kuh im Labor genauestens unter die Lupe genommen. Auch die Milchleistung pro Kuh wird berechnet. Diese objektive Leistungsüberprüfung ist eine wichtige Grundlage für das Herdenmanagement der Landwirte und die Zucht.

Hohe Standards, klar definierte Qualitätsrichtlinien und unabhängige Kontrollen erlauben eine klare Kennzeichnung mit dem Ländle Herkunfts- und Gütesiegel.

Mehr zum Ländle Gütesiegel auf www.laendle.at/guetesiegel

Veröffentlicht am: 30.05.2016