Ländle Herkunfts- und Gütesiegel steht für Gentechnikfreiheit

Der kommerzielle Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen begann 1996. Der Einsatz von gentechnisch veränderten Tieren, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, könnte bald folgen.

Weniger Pestizideinsatz, mehr Ertrag beim Anbau von Pflanzen dank Gentechnik im Bereich Landwirtschaft. Nutztiere, die schneller wachsen, nurmehr weiblich und steril sind sowie weniger Futter benötigen. Das klingt wirtschaftlich und ressourcenschonend. Viele Behörden prüfen laufend Anträge auf Zulassung von GVO (Gentechnisch veränderte Organismen), die von Agrogentechnik-Konzernen gestellt werden. Zahlreiche Studien – meist von den Herstellern selbst erstellt und/oder finanziert – liegen vor, die eine Unbedenklichkeit bescheinigen sollen. Doch gibt es auch Studien, die Gentechnik als wirtschaftlichen und ökologischen Reinfall entlarven.

Grundsätzlich trifft die Gentechnik in Österreich und in großen Teilen der EU auf Ablehnung. Dennoch sind auf EU-Ebene zahlreiche GVO, zumeist gentechnisch veränderte Pflanzen, bereits zugelassen. Eine Reihe von weiteren Anträgen für Zulassung liegen den Behörden vor. Die meisten GVO werden importiert, nur der insektenresistente Mais MON810 ist derzeit für Anbauzwecke erlaubt.

Verschiedene Kräfte wirken

Mit der Gentechnik werden alle Lebewesen, einschließlich wir Menschen, zu beliebig zerleg- und rekombinierbarer Materie. Das ursprüngliche Europäische Patentübereinkommen, das „Tierarten und Pflanzensorten“ von Patentierungen grundsätzlich ausschließt, wird schon lange anders interpretiert. Antragsteller erhalten ein Monopol auf die Verwertung von Genen, die es seit Jahrtausenden gibt. Verschiedene Interessensgruppen, auch innerhalb der EU, unterstützen eine Pro-Gentechnik Haltung und arbeiten stetig daran, die Gesetzgebung zugunsten der Gentechnik zu ändern.

Seit 2015 dürfen Mitgliedsstaaten auch nationale Anbauverbote verhängen. Zuvor prägten Diskussionen über die Verletzung der bestehenden Welthandelsverträge und die Verträge des Europäischen Binnenmarktes die Dialoge zwischen Kommission, Rat und Parlament. Das derzeit bestehende Recht kann sich jedoch angesichts TTIP wieder ändern. Spätestens dann ist eine Kennzeichnung gentechnikfreier Produkte ein starkes Verkaufsargument auf dem Lebensmittelmarkt. „Wir wollen früh genug damit beginnen und die Konsumenten zu diesem Thema sensibilisieren, damit wir auch weiterhin mit zertifizierten Produkten aus Vorarlberg eine sichere Alternative zu nicht transparenten Lebensmitteln bieten können“, erklärt Manuel Gohm, Geschäftsführer der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH, die Mission Gentechnikfreiheit des Ländle Gütesiegels. „Gentechnikfreiheit ist keine Selbstverständlichkeit“, fügt Manuel Gohm hinzu.

„Gentechnikfreiheit ist keine Selbstverständlichkeit.“
Manuel Gohm, GF Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH

Gentechnikfreiheit gewährleisten, egal was kommt

Es gilt zwar ein Anbauverbot für GVO in Österreich, doch gentechnikfrei ist Österreich nicht. Tiere dürfen mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert werden. Auf diese Weise landet Gentechnik indirekt und vom Verbraucher unbemerkt in Lebensmitteln. Eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht gibt es bis dato nicht. Eine mehr oder weniger bewusste Gesetzeslücke. Das Ländle Herkunfts- und Gütesiegel garantiert komplette Gentechnikfreiheit, auch in der Fütterung der Nutztiere. Ganz im Sinne der Vorarlberger Bevölkerung, die gentechnisch veränderte Lebensmittel überwiegend ablehnt. Alle mit dem Ländle Gütesiegel zertifizierten Produkte wie Eier, Fleisch und Milch sind somit zur Gänze gentechnikfrei.

„Fütterung ohne Gen-Pflanzen ist generelles Qualitätskriterium für das Ländle Gütesiegel.“
Othmar Bereuter, Qualitätsmanagement, Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH

„Unsere vertraglich eingebundenen Landwirte kaufen nur Futtermittel bei ebenfalls zertifizierten Futtermittelherstellern ein. Diese kaufen zertifizierte, gentechnikfreie Zutaten ein. Bei Milch und Fleisch haben wir Lieferanten, die einen Schwellenwert für Kontamination von 0,1 Prozent einhalten können, gesetzlich liegt dieser bei 0,9 Prozent. Die damit zusammenhängenden Kontrollen und Zertifizierungen verteuern derartige Futtermittel natürlich. Darum ist es auch so wichtig, einen fairen Marktpreis für die produzierenden Landwirte zu erzielen“, erläutert Othmar Bereuter, Qualitätsmanagement Verantwortlicher des Ländle Gütesiegels.

Gemeinsam gegen Gentechnik

Es ist, wie so oft, ein Zusammenspiel vieler Akteure, die etwas ermöglichen. So auch die Gewährleistung von Gentechnikfreiheit. Zum Einen muss der Konsument auf das Thema hin sensibilisiert sein und den Wunsch nach Gentechnikfreiheit auch mit dem Kauf dementsprechender Produkte honorieren. Zum Anderen muss für diese Art der Nachfrage die gesamte Supply Chain (Versorgungskette) abgestimmt sein: vom Handel zurück zum Produzenten und nochmals rückverfolgt zum Hersteller der Futtermittel. Auf diese Art und Weise sichert das Ländle Gütesiegel die Wahlfreiheit der Konsumenten, wenn es um Gentechnik geht.

„Der Einkauf von zertifizierten, gentechnikfreien Futtermitteln ist teurer, das muss sich auch im Preis für das Endprodukt widerspiegeln.“
Manuel Gohm, GF Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH

Der brasilianische Verband der gentechnikfreien Soja-Anbauer ABRANGE verzeichnete 2014 ein Ernteplus von zehn Prozent. Der Anbau von gentechnikfreiem Soja in Europa nimmt, vor allem Dank des Donau-Soja Projektes, ebenfalls stetig zu.

Rechtlich ist der bewusste Einsatz von Gentechnik mit Hilfe von Schwellenwerten, von einer zufälligen, technisch nicht mehr beeinflussbaren Beimischung, abgegrenzt. In der EU liegt der Schwellenwert von Futter und Lebensmitteln – auch von Bio-Lebensmitteln – bei
0,9 Prozent. Andere Länder sind da weitaus toleranter. Die Breite der Schwellenwerte liegt zwischen einem und fünf Prozent. Der betreffende Hersteller muss nachweisen, dass es sich bei den Beimischungen um zufällige und technisch nicht vermeidbare GVO-Kontaminationen handelt. Bei Überschreitung besteht eine Kennzeichnungspflicht.

Gentechnikfreiheit durch geringe Margen erschwert

Im Bereich der Legehennenhaltung ist eine gentechnikfreie Fütterung im deutschsprachigen Raum am weitesten fortgeschritten. Im Fleischbereich, vor allem in der Produktion von Schweinefleisch und Geflügel, ist die Bereitschaft der Produzenten zur gentechnikfreien Fütterung nicht sehr groß. Das liegt auch an den knappen Margen. Die Preise für Schweine- und Geflügelfleisch spiegeln nicht annähernd den Aufwand für die Produktion wider. Hier ist der Kostendruck bei vielen Produkten einfach zu hoch.

„Das Ländle Gütesiegel garantiert auch im Fleischbereich eine gentechnikfreie Fütterung durch faire Preise für die Landwirte. Besonders hier müssen Konsumenten, Handel und Landwirte zusammenhalten.“
Manuel Gohm, GF Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH

Das Ländle Gütesiegel soll auch den Landwirten im Fleischbereich faire Preise garantieren. Nur so sind die Wünsche nach tierfreundlicher Haltung und gentechnikfreier Fütterung realisierbar. Besonders in diesem Produktbereich müssen Konsumenten, Handel und Landwirte zusammenhalten.

Trend zu „GMO-Free“ Kennzeichnung auch in den USA

Verbraucher und Nichtregierungsorganisationen kämpfen in den USA um die Kennzeichnungspflicht von GVO Produkten. Sie fordern von den Herstellern, ihre GVO Produkte ersichtlich zu machen. Diese finden eine Kennzeichnungspflicht unsinnig, da Gentech-Lebensmittel gesundheitlich unbedenklich seien. Wenn Konsumenten für gentechnikfreie Nahrungsmittel mehr bezahlen wollen, würden die Lebensmittelhersteller freiwillig kennzeichnen. Und genau das tun sie vermehrt. Die mit „GMO-Free“ gekennzeichneten Produkte erfreuen sich steigenden Absatzes.

„Wir sind auch der Meinung, dass Gentechnik ungeklärte Gesundheitsrisiken für Mensch, Tier und Umwelt beinhaltet und Konsumenten daher ein Informationsrecht haben, ob Risikotechnologie im Lebensmittel enthalten ist, oder nicht“, unterstreicht Manuel Gohm. „Für viele Verbraucher ist Gentechnikfreiheit inzwischen ein relevantes Kaufkriterium geworden. Sie müssen sich aber auch stets bewusst sein, dass die Gewährleistung von Gentechnikfreiheit auch mit höheren Kosten für die Produzenten einhergeht.“

Infos zum Ländle Gütesiegel auf www.laendle.at/guetesiegel

Ländle Herkunfts- und Gütesiegel
Veröffentlicht am: 21.04.2016